Filter by Themen
Filter by Kategorien
Filter by Veranstaltungsschlagworte
FS Logoi

Magnetische Nanopartikeln zur Glyphosatentfernung aus Wasser

Das umstrittene Herbizid Glyphosat gelangt bei Regen vom Acker in Grund- und Oberflächengewässer und kann dort zu Konzentrationen jenseits gesetzlich vorgeschriebener Grenzwerte führen. Ein Forscherteam der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg entwickelte nun eine einfache Methode, diesen Stoff aus Wasser zu entfernen.

von | 07.01.20

Prinzip der Bindung des in Wasser gelösten Glyphosats an Eisenoxidpartikeln (links) und der nachfolgenden Entfernung des Glyphosat-Eisenoxid-Komplexes aus dem Wasser (rechts) (Grafik: Hyoungwon Park/FAU)
Die Grafik zeigt die Methode des FAU-Forschungsteams: Das in Wasser gelöste Glyphosat wird an Eisenoxidpartikel gebunden (links). Mithilfe eines Magneten wird der Glyphosat-Eisenoxid-Komplex aus dem Wasser gefiltert. (Grafik: Hyoungwon Park/FAU)

Die Teams um Werkstoffwissenschaftler Prof. Marcus Prof. Marcus Halik vom Interdisziplinären Zentrum für Nanostrukturierte Filme (IZNF) der FAU, Physiker Prof. Dirk Zahn vom Computer Chemistry Center (CCC) der FAU sowie von Dr. Leena Banspach vom Bayrischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) nutzen die chemische Struktur von Glyphosat um das Herbizid an magnetische Eisenoxidpartikel zu binden.
Die starke Wechselwirkung des Glyphosatmoleküls zu oxidischen Oberflächen ermöglicht eine schnelle und stabile kovalente Bindung an die Oberfläche von Magnetit (Fe3O4)-Nanopartikeln, die als Fänger für das Herbizid wirken. Mit ihrer geringen Größe (~20 nm Durchmesser) bieten diese Partikeln eine große aktive Fläche. Die Glyphosatbindung wurde mittels Infrarotspektroskopie, thermogravimetrischer Analyse und dynamischer Lichtstreuung analysiert. Ergebnisse aus Molekulardynamik-Simulationen unterstützen den vorgeschlagenen Bindungsmechanismus, nach dem Glyphosat gegenüber anderen im Wasser gelösten Stoffen besonders gut an die Eisenoxidpartikeln gebunden wird. Die Entfernung der mit dem Schadstoff beladenen, magnetischen Partikeln aus dem Wasser gelingt einfach mittels Magnetabscheidung.
Die Leistungsfähigkeit des Verfahrens wurde anhand unterschiedlichster Wasserproben nachgewiesen. Es gelang, bei allen Proben den Grenzwert für Glyphosat von 0,1 µg/l aus der EU-Trinkwasserrichtlinie zu unterschreiten, und in vielen Fällen lag die Konzentration des Stoffes im gereinigten Wasser sogar unterhalb der mittels Flüssigkeitschromatographie-Massenspektrometrie erreichbaren Nachweisgrenze.

Selektivität auch in realem Oberflächenwasser bestätigt

Anhand von Wasserproben aus dem Dechsendorfer Weiher, in denen neben geringen Konzentrationen an Glyphosat (~ 0,6 µg/l) noch weitere organische Kontaminationen nachgewiesen werden konnten, lies sich diese vorhergesagte Selektivität auch experimentell bestätigen. Nach der Behandlung der Wasserproben mit den Eisenoxidpartikeln und deren magnetischer Entfernung hatte dieses Wasser Trinkwasserqualität – zumindest bezogen auf Glyphosat.
Die magnetischen Partikel können mehrfach verwendet werden, was in Kombination mit dem niedrigen Preis der Eisenoxidpartikel die Grundlage für ein ökologisch nachhaltiges und ökonomisch sinnvolles Verfahren darstellt. Ziel ist dabei nicht der flächendeckende Einsatz von Eisenoxidpartikeln, sondern ein Toolkit zu entwickeln, welches schnell und preiswert lokale Extremkonzentrationen beseitigen kann. Noch werden jedes Jahr 700.000 Tonnen Glyphosat hergestellt, transportiert, gelagert und eingesetzt – was bei unsachgemäßer Handhabung ein beträchtliches Risikopotential darstellt.
Die Arbeiten wurden durch den Exzellenzcluster EAM (Engineering of Advanced Materials) aus der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder und durch die Graduate School Molecular Science (GSMS) an der FAU unterstützt.
Die Originalpublikation finden Sie hier.

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Jetzt Newsletter abonnieren

Stoff für Ihr Wissen, jede Woche in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

Mehr Daten, mehr Risiko? Der Umgang mit sensiblen Infrastrukturinformationen
Mehr Daten, mehr Risiko? Der Umgang mit sensiblen Infrastrukturinformationen

Wie viel Transparenz ist bei kritischen Infrastrukturen noch verantwortbar? Angesichts neuer technologischer Möglichkeiten wächst die Herausforderung, öffentlich zugängliche Informationen vor Missbrauch zu schützen. Der BDEW plädiert deshalb für ein Umdenken: Bestehende Regelungen sollen überprüft und so weiterentwickelt werden, dass sie sowohl Informationsansprüche als auch Sicherheitsanforderungen gleichermaßen berücksichtigen.

mehr lesen
Wege zu bezahlbarem Wasser in Megastädten
Wege zu bezahlbarem Wasser in Megastädten

Bis 2050 wird fast die Hälfte der städtischen Bevölkerung weltweit mit Wasserknappheit konfrontiert sein. Eine internationale Studie zeigt am Beispiel der indischen Millionenstadt Pune, dass besonders arme Haushalte während mehrjähriger Dürren bei der Wasserversorgung stark benachteiligt sind – trotz zahlreicher Verbesserungsmaßnahmen.

mehr lesen
Fraunhofer IEG und Wuppertaler Stadtwerke starten Machbarkeitsstudie zu Geothermie
Fraunhofer IEG und Wuppertaler Stadtwerke starten Machbarkeitsstudie zu Geothermie

Die Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geotechnologien IEG und die Wuppertaler Stadtwerke (WSW) setzen die Zusammenarbeit bei der geowissenschaftlichen Erkundung der tiefen Geothermie in Wuppertal fort. Ziel ist eine fundierte Machbarkeitsstudie für die Nutzung von Wärme aus mehreren tausend Metern Tiefe. Denn Erdwärme kann eine klimafreundliche und zukunftssichere Energiequelle für die städtische Wärmeversorgung darstellen.

mehr lesen
FlashPhos: Phosphor für die Industrie gewinnen
FlashPhos: Phosphor für die Industrie gewinnen

Abfall aus Kläranlagen entsorgen und gleichzeitig weißen Phosphor gewinnen: Wie das funktioniert, zeigt das neue thermochemische Verfahren FlashPhos. Es ist derzeit die einzige Technologie in Europa, die es ermöglicht, diesen wichtigen Rohstoff umweltfreundlich, effizient und kostengünstig für industrielle Anwendungen herzustellen. Ein europaweites Konsortium hat unter Koordination der Universität Stuttgart die FlashPhos-Technologie erforscht und entwickelt.

mehr lesen
Die unbekannte Insel in der Antarktis
Die unbekannte Insel in der Antarktis

Ein 93-köpfiges internationales Expeditionsteam erforscht seit Februar an Bord des Eisbrechers Polarstern des Alfred-Wegener-Instituts das nordwestliche Weddellmeer in der Antarktis. In dieser Schlüsselregion für globale Meeresströmungen standen der Ausstrom von Eis und Wasser aus dem Larsen-Schelfeis-Gebiet sowie der erstaunliche Meereisrückgang der letzten Jahre im Fokus. Als wegen der rauen Wetterbedingungen die Forschungsarbeiten unterbrochen werden mussten, um im Windschatten von Joinville Island Schutz zu suchen, wurden Wissenschaft und Schiffscrew von dem plötzlichen Auftauchen einer Insel überrascht, die zuvor auf den vorhandenen Seekarten lediglich als Gefahrenzone verzeichnet war.

mehr lesen

Passende Firmen zum Thema:

Ingenieurbüro Alwin Eppler GmbH & Co. KG

Thema: Wasseraufbereitung

Ihr vertrauensvoller Partner für innovative Trinkwasserversorgung und Abwasserbehandlung – seit über 70 Jahren Expertise in Planung und Umsetzung maßgeschneiderter

Weber-Ingenieure GmbH

Themen: Abwasserbehandlung | Netze

Abwasserbehandlung, Baumanagement, Infrastruktur und Stadtentwässerung, Ingenieurbau, Konversion und Abfall, Technische Ausrüstung, Wasserbau,

SUMA Rührtechnik GmbH

Thema: Abwasserbehandlung

Seit 1957 entwickelt und produziert SUMA Rührwerke für eine Vielzahl von Anwendungen und Branchen. Aufbauend auf unseren Wurzeln im Agrarsektor haben wir uns zu einem Anbieter von Rührtechnik für den Wasser- und Abwasserbereich, Biogas und viele weitere Industriebereiche entwickelt. In den

Sie möchten die gwf Wasser + Abwasser testen

Bestellen Sie Ihr kostenloses Probeheft

Überzeugen Sie sich selbst: Gerne senden wir Ihnen die gwf Wasser + Abwasser kostenlos und unverbindlich zur Probe!

Finance Illustration 03