Das Erft-Hochwasser im Juli 2021 führte zur vollständigen Überflutung der Kläranlage Erftstadt-Köttingen. Durch den hohen Einsatz der Beschäftigten und mit Unterstützung von Einsatzkräften des Katastrophenschutzes konnte die Abwasserreinigung nach wenigen Tagen wieder in Betrieb genommen werden, aber der komplette Wiederaufbau und Umbau dauert noch an.
Neue Anlage ist besser vor Hochwasser geschützt
Im Juli 2021 lag der Hochwasserscheitel in einigen Bereichen des Anlagengeländes bei etwa zwei Meter oberhalb der Geländehöhe. Somit führten die extremen Wassermassen zur Zerstörung von wesentlichen Teilen der Anlagentechnik, die für den Betrieb unverzichtbar sind. Die gesamte Schadenshöhe lag bei rund 22 Mio. Euro.
Im Rahmen der Wiederaufbaumaßnahmen wird die Anlage nicht in den ursprünglichen technischen Zustand versetzt, sondern so optimiert, dass sie besser vor Hochwasser geschützt ist. Alle Verfahrenseinheiten und Funktionen wurden nach ihrer Vulnerabilität und dem möglichen Schadenspotenzial neu bewertet und angeordnet. Dazu gehört auch, dass kritische Anlagenteile wie Elektrotechnik und Stromversorgung auf höhergelegenen Standorten neu errichtet werden. Für Erneuerungen wurden weitere 8 Mio. € investiert.
Wiederaufbau unter Aufrechterhaltung der Abwasserreinigung
Der Wiederaufbau der Kläranlage Erftstadt-Köttingen begann Ende 2021 mit der Demontage der zerstörten Maschinen- und Elektrotechnik, dem Abriss und Neubau des Betriebsgebäudes sowie der vollständigen Sanierung der Schlammbehandlung.Sämtliche Arbeiten mussten unter Aufrechterhaltung des laufenden Anlagenbetriebs geplant, koordiniert und durchgeführt werden. Dabei mussten die Beteiligten weitere Herausforderungen meistern wie die über die Zeit gewachsene Anlagenstruktur und die teilweise unbekannten unterirdischen Leitungsverläufe aus früheren Ausbaustufen der Kläranlagen. Für die Beschaffung der elektrischen Komponenten war das schwierige Marktumfeld ein weiteres Hindernis.
Aktueller Stand
Zwischenzeitlich sind das neue Betriebsgebäude, sämtliche Erdarbeiten sowie die elektrische Energieversorgung mit Neubau der Trafostation fertigstellt. Der Faulbehälter für den Klärschlamm konnte zum Jahreswechsel 2023/2024 ebenfalls in Betrieb genommen werden und auch die restlichen Anlagenteile der Klärschlammbehandlung laufen seit Anfang 2024 im Routinebetrieb.
Zurzeit wird der Rohbau des neuen Technikgebäudes fertiggestellt, wie auf dem Bild zu erkennen ist. Die Niederspannungsunterverteilung befindet sich momentan in der Vorbereitung zum Aufbau sowie die neue maschinelle Schlammentwässerung und das neue Schlammsilo. Auch die Straßenführung sowie die Außenanlagen der Kläranlage werden nochmal an die neuen Höhen angepasst und für die Vergabe vorbereitet. Nach derzeitigem Stand werden die Arbeiten zum Jahresende 2026 abgeschlossen sein.
Die Kosten für den Wiederaufbau sind durch die Allgefahrenversicherung des Erftverbandes sowie über die Wiederaufbauhilfe des Landes Nordrhein-Westfalen gedeckt.
Auch wenn ein vollkommener Schutz gegen extreme Hochwasser wie im Jahre 2021 nicht möglich ist, wird die Kläranlage Erftstadt-Köttingen eine deutlich bessere Resilienz gegenüber zukünftigen Starkregen- und Hochwasserereignissen besitzen.












