Unappetitliche Klumpen haften an einer Pumpe, die mit einem Spülfahrzeug aus einem Schmutzwasserschacht gezogen wird. Verfilzte Stränge hängen von dem Aggregat herab. Das Bild bot sich jüngst bei einer Pumpwerksreinigung der Kläranlage Sandkrug im Landkreis Oldenburg.
Für Sergei Schmidt, Fachkraft für Abwassertechnik beim Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV), ist die Ursache der Störung offensichtlich: „Kein Wunder, dass die Schmutzwasserpumpe nicht mehr reibungslos läuft“.
Verstopfungen belasten Pumpwerke und Personal
Solche Einsätze gehören für das Team der Kläranlage inzwischen zum Alltag. Regelmäßig müssen Pumpen gereinigt und Störungen in der Abwasserentsorgung beseitigt werden. Hauptverursacher sind dabei Unrat sowie reißfeste Feucht- und Hygienetücher, die über die Toilette entsorgt werden und sich in den Pumpen festsetzen.
„Verstopfungen durch Feuchttücher und andere Störstoffe verursachen einen erheblichen zusätzlichen Arbeitsaufwand“, beobachtet Richard Rademacher, Anlagenkoordinator der Kläranlage Sandkrug in der Gemeinde Hatten.
Unterstützt von spezialisierten Unternehmen wie der Hilker GmbH aus Friesoythe müssen manche Pumpwerke inzwischen alle drei Monate statt wie früher halbjährlich gereinigt werden. In einigen Bereichen des OOWV-Verbandsgebiets sind sogar Reinigungsintervalle von nur sechs Wochen erforderlich. Die Folgen sind erheblich.
„Zum Teil ist das Pumpwerk so voll mit Unrat, dass ein Herausziehen der Pumpe nicht möglich ist“, beschreibt der Anlagenkoordinator die Auswirkungen.
Selbst wenn die Pumpen noch funktionieren, steigt der Energieverbrauch und der Verschleiß nimmt deutlich zu, sodass ein früherer Austausch erforderlich wird. Das Problem betrifft nicht nur die Kläranlage Sandkrug, sondern erschwert den Betrieb von Kläranlagen im gesamten Verbandsgebiet.
Die unsachgemäße Entsorgung von Feuchttüchern und anderen Abfällen hat zudem finanzielle Folgen für die Allgemeinheit. Kommt es zu Verstopfungen oder gar Ausfällen von Pumpwerken, entstehen zusätzliche Kosten. Ein Beispiel dafür war ein Rückstau im Herbst 2025 in Hatten.
Feuchttücher gehören nicht in die Toilette
„Das Beseitigen der zähen Stränge in den Pumpen verursacht unnötige Kosten, die am Ende von allen Verbraucherinnen und Verbrauchern mit den Abwassergebühren zu tragen sind“, erklärt der für den Landkreis Oldenburg zuständige OOWV-Regionalleiter Hubertus Weißer.
Bereits zwei zusätzliche Reinigungen pro Jahr an einem einzelnen Pumpwerk verursachen inklusive Fahrzeugeinsatz, Personalaufwand, Entsorgungskosten und Pumpenverschleiß einen soliden vierstelligen Betrag. Allein die Kläranlage Sandkrug betreut 30 Netzpumpwerke sowie 174 Kleinpumpwerke. Aus Sicht des OOWV ließe sich das Problem leicht vermeiden. Feucht- und Hygienetücher, die nicht aus Papier bestehen, gehören ebenso wie feuchtes Toilettenpapier aus Polyester-Viskose-Gemischen oder kunstharzgebundenen Fasern in den Hausmüll.
Regionalleiter Hubertus Weißer bekräftigt, dass es sich bei den Feucht- und Hygienetüchern um Abfall handele – auch wenn die Verpackungen teilweise einen anderen Eindruck vermittelten. Da sich die Materialien im Wasser nicht oder nur sehr langsam auflösten, verstopften sie Rohre und Pumpen. Zusammen mit anderen Hygieneartikeln, Haaren und Fetten entstünden dabei nahezu unlösbare Verbindungen, die oft nur mit Zangen oder Sägen entfernt werden könnten.
Während Verstopfungen auf Privatgrundstücken direkt von Eigentümern oder Mietern bezahlt werden müssten, würden Schäden im öffentlichen Kanalnetz über die Abwassergebühren finanziert. Für eine stärkere Beteiligung der Hersteller an diesen Kosten hat sich kürzlich der niedersächsische Umweltminister Christian Meyer ausgesprochen. Im Gespräch mit NDR Niedersachsen erklärte er, man solle prüfen, die Verursacher über Abgaben an den Kosten zu beteiligen. Zudem seien aus seiner Sicht deutlichere Hinweise auf den Verpackungen zur richtigen Entsorgung sinnvoll. Bund und EU sollten entsprechende Regelungen vorantreiben.
„Jeder Anreiz dafür, weniger oder wenigstens ökologisch abbaubare Feuchttücher zu verwenden, ist uns willkommen“, bekräftigt OOWV-Regionalleiter Hubertus Weißer.
Quelle: OOWV-Pressestelle










