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Wasserstress: Landwirtschaft und Industrie Hauptverursacher

Wasserstress hat zwei Gesichter: Wasserverschmutzung und Wasserknappheit. Der BUND verdeutlicht die Rollen der Landwirtschaft und der Industrie, die beide in unterschiedlicher Weise zum Wasserstress beitragen.

von | 24.06.25

Landwirtschaft und Industrie tragen zum Wasserstress bei.
Bild erstellt mit KI, H. Lyko

Landwirtschaft: Verursachende und Leidtragende

„Unsere Flüsse, Meere und unser Grundwasser müssen vor Überdüngung und Pestizideinträgen geschützt werden“, sagt Verena Graichen, Geschäftsführerin Politik beim BUND zum Thema Wasserverschmutzung. „Wasser ist Leben, das gilt gerade auch für die Lebensmittelproduktion. Denn unsere Versorgung mit guten, gesunden Lebensmitteln ist davon abhängig, dass Pflanzen und Tiere ausreichend sauberes Wasser zur Verfügung haben.“

Amphibien und Wasserpflanzen werden durch einen zu hohen Eintrag gefährdet, Flüsse und Seen drohen umzukippen, so der BUND, Blaualgenalarm führt zu Schwimmverboten in Seen. Und nicht zuletzt belasten zu viel Nitrat und Pestizidrückstände wie die Ewigkeitschemikalie TFA, die auch aus Pestiziden stammt, unsere Umwelt. Die Reinigung unseres Trinkwassers wird dadurch immer aufwändiger und kostspieliger.

Hintergrund von Wasserstress durch die Landwirtschaft

Die Hauptursachen des hohen Nitrat-Eintrages in Grund- und Oberflächengewässer sind laut BUND die konzentrierte Intensivtierhaltung sowie Überdüngung. In Deutschland gibt es weiterhin kein verursachergerechtes Düngerecht. Er fordert die neue Bundesregierung auf, das zuletzt im Bundesrat gescheitete Düngegesetz schnellstmöglich wieder in Angriff zu nehmen. Die geplante Aufhebung der Stoffstrombilanzverordnung ist aus BUND-Sicht der falsche Schritt. In der Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL) herrschte Konsens, dass es einzelbetriebliche Bilanzierung und verursachergerechte Regelungen braucht. Nun im Eilverfahren die Stoffstrombilanz aufzuheben, ohne gleichzeitig Alternativen auf den Weg zu bringen, nutzt weder Umwelt noch Landwirtschaft.

Pestizidauswaschungen und -rückstände sind hauptverantwortlich für Artensterben und sinkende ökologische Vielfalt in Gewässern. Insbesondere persistente Abbauprodukte wie die aus PFAS stammenden TFA-Verbindungen, die auch durch Pestizide in die Umwelt gelangen, stellen zudem Kläranlagen und Wasserversorger vor die teure Herausforderung zusätzlicher Reinigungsstufen. Der Einsatz von Pestiziden muss deshalb stark reduziert werden, in Wasserschutzgebieten ist auf chemisch-synthetische Pestizide zu verzichten und besonders gefährliche Pestizide müssen verboten werden.

Was sich in der Landwirtschaft ändern muss

Die Landwirtschaft muss sich an den Klimawandel anpassen, da künftig extreme Wetterereignisse wie Starkregen, Stürme und Dürrephasen zunehmen. Dafür sind vielfältige, widerstandsfähige Anbausysteme nötig, die Risiken streuen – etwa durch robuste Sorten, die unter verschiedenen Bedingungen stabile Erträge liefern, und durch Maßnahmen zur Verbesserung der natürlichen Bodenwasserhaltefähigkeit. Viele dieser Ansätze werden derzeit getestet und sollten Landwirt*innen besser bekannt gemacht und gefördert werden. Die zunehmende Bewässerung von Kulturen ist angesichts knapper Wasserressourcen und steigender Kosten keine langfristige Lösung.

Graichen: „Neben einer Reduktion von Dünger und Pestiziden brauchen wir eine Förderung für die Wasserschutz-Landwirtschaft. Humusreiche, durchwurzelte und wenig verdichtete Böden haben eine bessere Wasserhaltekapazität. Das Risiko von Bodenverlust bei Starkregen ist vermindert, und in Dürrephasen sind die Ernten besser gesichert. Bewässerung muss in Zukunft gezielter und effizienter eingesetzt werden. Dafür braucht es Investitionen und Förderung sowie Wissenstransfer. Und die Höfe brauchen jetzt eine Politik, die die Weichen in Zeiten der Klimakrise hin zu einer resilienten Landwirtschaft stellt.“

 

Industrie: zu hoher Wasserverbrauch

„Chemie- und Plastikriesen verschlingen ungeheure Mengen an Wasser – ohne politische Vorgaben zum Wassersparen“, sagt Graichen. „Das schürt Verteilungskonflikte. Die Politik muss deshalb die Verbrauche dringend priorisieren, Wasserentnahme erfassen und Genehmigungen prüfen. In Zeiten von Klimakrise, zunehmender Trockenperioden und sinkender Grundwasserspiegel ist der immense Ressourcen- und Wasserverbrauch von Großindustrien nicht mehr zeitgemäß.“

Die enormen Wassermengen werden für die Produktionsprozesse und zu Kühlungszwecken verwendet, so Graichen weiter. Laut Water Footprint Network stecken in jedem Kilo Plastik im Schnitt 180 Liter Wasser. Teilweise verdunstet das Wasser, wird erwärmt und mit Salzen und Schadstoffen wie der Ewigkeitschemikalie TFA belastet in die Flüsse eingeleitet. Aus Sicht des BUND ist an der Zeit, dass Industrie und Wirtschaft nicht einfach unsere wertvollste Ressource Wasser für die Produktion von Plastik und Chemikalien verschwendet und verschmutzt. Derzeit sei es schwierig, einen Gesamtüberblick über die Wassernutzung von Industrien in Deutschland zu bekommen. Welche Unternehmen, wie viel Grundwasser nutzen, ist öffentlich nicht einfach einsehbar und regional sehr unterschiedlich geregelt. In einer BUND-Recherche zu Chemieparks in NRW blieben Wasserrechte von vielen Firmen unbenannt oder ohne Mengenangabe – trotz teils großer Wassernutzung.

Verursacherprinzip umsetzen

Im Rahmen der industriellen Nutzung von Wasser fordert Graichen Lösungen nach dem Verursacherprinzip ein: Wer Wasser nutze, solle zahlen, wer verursache, sei für die Reinigung verantwortlich. Es sei dringend notwendig, „eine bundesweite einheitliche Regelung der Wasserentnahmeabgaben“ zu etablieren. Eine nationale Wasserstrategie müsse nun schnell „durch Bund und Länder, mit mehr Geld und mehr Personal für die Wasserwirtschaft.umgesetzt werden“.

Mehr Informationen:


 

(Quelle: BUND)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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