Die Wasserwirtschaft im Alpenraum ist derzeit von außergewöhnlich geringen Wasserzuflüssen geprägt. Nach einer Analyse des Energieinformationsanbieters Montel lagen die Zuflüsse zu Speicherseen und Laufwasserkraftwerken in Österreich und der Schweiz im Juli rund 50 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt. Auch für die kommenden Wochen erwarten die Analysten aufgrund der anhaltenden Trockenperiode keine grundlegende Verbesserung.
Historisch geringe Zuflüsse beeinträchtigen die Wasserkrafterzeugung
Die niedrigen Zuflüsse wirken sich unmittelbar auf die Stromerzeugung aus Wasserkraft aus. In Österreich erreichte die Wasserkraftproduktion im Juli lediglich 51 Prozent des 15-Jahres-Durchschnitts. In der Schweiz lag sie bei 48 Prozent des Normalwerts, in Deutschland bei 63 Prozent und in Frankreich bei 68 Prozent.
Nach Einschätzung von Eylert Ellefsen, Senior Hydrology Analyst bei Montel, ist frühestens im September mit einer Verbesserung zu rechnen. Die Wetterprognosen für die kommenden zwei Wochen deuteten weiterhin auf eine trockene Witterung hin.
Versorger melden außergewöhnlich schwache Wasserführung
Der österreichische Energieversorger Verbund bezeichnete die aktuelle Situation als das schlechteste Wasserkraftjahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Vorstandsvorsitzender Michael Strugl erklärte, dem Unternehmen fehle rund ein Drittel der Wassermenge, die unter normalen Bedingungen durch die Wasserkraftwerke fließen würde. Aufgrund der schwachen Zuflüsse senkte Verbund seine Prognose für die Wasserkrafterzeugung im Gesamtjahr um 12 Prozent.
Auch andere Betreiber berichten über unterdurchschnittliche Erzeugungswerte. Tiwag lag mit seinem Wasserkraftwerkspark im ersten Halbjahr 17 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt. Der Schweizer Energieversorger Alpiq meldete für seine Laufwasserkraftwerke eine um 15 Prozent geringere Stromproduktion als üblich.
Anhaltende Trockenheit belastet das europäische Energiesystem
Nach Angaben mehrerer Wasserkraftbetreiber ist kurzfristig nicht mit einer deutlichen Verbesserung der hydrologischen Situation zu rechnen. Gleichzeitig weisen die Unternehmen darauf hin, dass Speicherkraftwerke künftig eine wichtige Rolle beim Ausgleich von Angebot und Nachfrage im Stromsystem spielen werden.
Die anhaltende Hitze- und Trockenperiode belastet darüber hinaus weitere Bereiche der europäischen Energieversorgung. Betroffen sind unter anderem Kernkraftwerke in Frankreich und Ungarn, während gleichzeitig der Strombedarf für Kühlung steigt.
Quelle: Montel







