Nach der Flutkatastrophe im Jahr 2021 gründeten der Erftverband sowie Kreise und Kommunen im Erft-Einzugsgebiet die Interkommunale Hochwasserschutzkooperation Erft (hwsErft). Ziel ist es, den Hochwasserschutz in der Region gemeinsam und langfristig zu stärken. Vier Jahre später gehören der Kooperation drei Kreise, 18 Kommunen sowie der Erftverband als Projektleitung an.
Auf einer Pressekonferenz am Zülpicher Wassersportsee zogen die Beteiligten im Beisein von Staatssekretär Viktor Haase aus dem Umweltministerium eine positive Bilanz. Neben der Besichtigung der ersten interkommunalen Baumaßnahme, die vom Land mit rund 2,7 Mio. Euro gefördert wird, standen die nächsten Schritte im Mittelpunkt. Dazu zählen die weitere Planung von Hochwasserrückhaltebecken sowie die Vertiefung der Zusammenarbeit im Rahmen des Regionalpakts für Hochwasserschutz Erft.
Bürgerbeteiligung und Informationsangebote ausgebaut
Mehr als 100 Workshops haben bislang die Aktivitäten im lokalen und interkommunalen Hochwasserschutz begleitet. Bürger*innen konnten dabei eigene Vorschläge einbringen, die von Fachbüros ausgewertet und in das Kartensystem „WebGIS“ übernommen wurden. In den meisten Kommunen sind die Workshop-Reihen inzwischen abgeschlossen.
Parallel dazu wurde das Informationsangebot erweitert. Neben einem Flyer zur Kooperation entstanden zwei Erklärfilme, die über die Website und den YouTube-Kanal des Erftverbandes abrufbar sind. Sie erläutern unter anderem die Unterschiede zwischen Starkregen und Hochwasser sowie das Zusammenspiel von natürlicher Gewässerentwicklung und technischen Schutzmaßnahmen. Ergänzend bieten interaktive Infografiken auf der Website einen Überblick über Aufgaben, Maßnahmenansätze und die Bedeutung der interkommunalen Zusammenarbeit. Für die Kommunikation in den sozialen Medien wurden Steckbriefe zu den geplanten Hochwasserrückhaltebecken erstellt. Die Kurzvideos zu Baustellen-Updates erreichen nach Angaben der Kooperation bis zu 37.000 Impressionen.
Zahlreiche Hochwasserschutzprojekte in Arbeit
Zur Umsetzung weiterer Hochwasserrückhaltebecken steht der Erftverband in engem Austausch mit den kommunalen Planungsträgern und der Bezirksregierung Köln. Ziel ist es, Planungs- und Genehmigungsverfahren zu vereinfachen und zu beschleunigen. Aktuell werden folgende interkommunale Hochwasserschutzmaßnahmen bearbeitet:
- HRB Kommerner Mühlensee – in Umsetzung
- HRB Schwerfen – in Planung
- HRB Möschemer Mühle – in Planung
- HRB Schweinheim – in Planung
- Hochwasserabschlag in den Zülpicher Wassersportsee – in Umsetzung
- HRB Flerzheim – im Grunderwerb
- HRB Vussem – in Planung
- HRB Liblar – in Vorbereitung
- Ausbau des HRB Garsdorf (Bestandsbecken) – in Vorbereitung
- Gewässerausbau Schweinheim – in Planung
- Gewässerausbau Hohenholzer Graben – in Planung
- Erftumbau/Perspektivkonzept Erft: Abschnitt 20 Glesch – im Genehmigungsverfahren
- Erftumbau/Perspektivkonzept Erft: Abschnitt 10 Grevenbroicher Bend – im Genehmigungsverfahren
- Erftumbau/Perspektivkonzept Erft: Abschnitt 6–9 Erftaue Kapellen – in Planung
Ergänzend zu den interkommunalen Maßnahmen arbeiten die meisten Kommunen derzeit an der Finalisierung ihrer Hochwasserschutzkonzepte. Die Maßnahmen werden in definierten GIS-Projekten erfasst, an den Erftverband übergeben und dort qualitätsgesichert. Das Konzept der Stadt Euskirchen wurde bereits vom beauftragten Ingenieurbüro übergeben, das Konzept der Stadt Bad Münstereifel Ende Juni im Rat beschlossen.
Parallel dazu erstellt der Erftverband die erste Fassung des Interkommunalen Hochwasserschutzkonzeptes. Es bündelt die interkommunal wirksamen Maßnahmen sowie die Maßnahmensteckbriefe der beteiligten Kommunen.
Vernetzung von Wasserwirtschaft und Katastrophenschutz
Neben den baulichen Maßnahmen arbeitet der Erftverband daran, die Zusammenarbeit zwischen Wasserwirtschaft und Katastrophenschutz zu stärken. Im Rahmen des EU-HORIZON-Innovation-Actions-Projekts DIRECTED wurden Akteure des Katastrophenschutzes der Landkreise, des LANUK und der Bezirksregierung Köln in Diskussionen und Planspiele eingebunden. Die Erfahrungen zeigen, dass sich der Informationsaustausch während einer Hochwasserlage deutlich verbessern lässt.
Dafür wurde auch das Hochwasserinformationssystem HOWIS weiterentwickelt. Ergänzend wurde ein Online-Meeting zur gemeinsamen Lageeinschätzung eingeführt. Es wird bei entsprechender HOWIS-Bereitschaftsstufe einberufen und ermöglicht die gemeinsame Interpretation von Daten sowie den Austausch von Informationen in Echtzeit. Die Vereinbarung zur gemeinsamen Lageeinschätzung wurde während der Pressekonferenz am 17. Juni von den Landkreisen des Erft-Einzugsgebietes und dem Erftverband unterzeichnet. Seit dem Hochwasserereignis an der Swist im Mai 2025 wurde das Format bereits dreimal erfolgreich eingesetzt.
Regionalpakt soll Zusammenarbeit langfristig sichern
Im Rahmen des EFRE-Projekts Rivercast baut der Erftverband außerdem sein Pegel- und Sensornetzwerk weiter aus. Gleichzeitig wird HOWIS technisch weiterentwickelt und um zusätzliche Mess- und Vorhersagedaten ergänzt. Das System soll künftig auch die Daten kommunaler Frühwarnsysteme integrieren. Darüber hinaus treibt das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen (MUNV) die Gründung des Regionalpakts für Hochwasserschutz Erft voran. Der Pakt baut auf den Strukturen und Zielen der hwsErft auf und soll die Zusammenarbeit langfristig sichern sowie auf das gesamte Einzugsgebiet der Erft ausweiten.
Staatssekretär Haase betont: „Der Pakt bringt alle Beteiligten zusammen, damit wir Hochwasserschutz für ganze Flussgebiete denken und planen können. Das Ziel ist, den bestmöglichen Schutz für die Menschen in Nordrhein-Westfalen zu erreichen.“
Zusätzlich ist vorgesehen, die Kommunen durch den Einsatz von Koordinator*innen stärker bei der Umsetzung ihrer Hochwasserschutzmaßnahmen zu unterstützen.
Aktuelle Informationen, Baustellen‑Updates und Einblicke in laufende Hochwasserschutzprojekte veröffentlicht der Erftverband regelmäßig auf seinen Social‑Media‑Kanälen. Unter dem Hashtag #hwsErft finden sich zudem weitere Beiträge zu kommunalen Maßnahmen im Erft-Einzugsgebiet.
Mehr InformationenQuelle: Erftverband









