Filter by Themen
Filter by Kategorien
Filter by Veranstaltungsschlagworte
FS Logoi

Vernetzt. Intelligent. Verwundbar

Die Wasserwirtschaft wird zu einem datengetriebenen, vernetzten und zunehmend intelligenten System: Gewässermonitoring, Prozessführung, Asset Management und Krisenvorsorge werden digitaler – und damit zugleich leistungsfähiger wie angreifbarer.

von | 03.05.26

Quelle: Adobestock/ Annika
KRITIS

Beispielsweise im Gewässermonitoring zeigt sich, wie stark sich die Branche verändert. Sensorik, Fernerkundung und digitale Plattformen ermöglichen heute eine erheblich dichtere Beobachtung von Wasserständen, Stofffrachten, Temperaturentwicklungen oder mikrobiologischen Belastungen. Europäische und internationale Programme stützen diese Entwicklung zunehmend mit risikobasierten Ansätzen in Überwachung und Vorsorge.

Die WHO betont, dass Water Safety Plans auf einer Risikoanalyse und einem Risikomanagement entlang der gesamten Versorgungskette beruhen müssen und nach ihren Leitlinien das wirksamste Mittel sind, um die Sicherheit und Akzeptanz der Trinkwasserversorgung dauerhaft zu gewährleisten. [1] Parallel wächst mit Copernicus und anderen Erdbeobachtungsdiensten die Fähigkeit, Gewässerzustände großräumig und zeitnah zu erfassen; Copernicus stellt etwa globale Lake-Water-Quality-Produkte auf Basis von Sentinel-3-Daten mit regelmäßiger, zeitnaher Bereitstellung bereit. [2]

Der Einsatz künstlicher Intelligenz

Der nächste Entwicklungsschritt ist der gezielte Einsatz künstlicher Intelligenz. UNESCO beschreibt KI und Machine Learning inzwischen ausdrücklich als Technologien, die das Wassermanagement transformieren können – von Monitoring-Systemen bis zu Fragen einer ethisch verantwortungsvollen Einführung. [3] In der Praxis können solche Systeme historische und Echtzeitdaten zusammenführen, Anomalien früher sichtbar machen, Prognosen unterstützen und damit den Übergang von reaktiver zu proaktiver Betriebsführung beschleunigen.

Mehr Digitalisierung eröffnet mehr Angriffsmöglichkeiten

Doch jeder Fortschritt in der Digitalisierung erweitert auch die Angriffsfläche. Die NIS2-Richtlinie schafft einen EU-weiten Rahmen für Cybersicherheit in kritischen Sektoren. In Deutschland trat die NIS2-Umsetzungsrichtlinie im Dezember 2025 in Kraft. Trinkwasser- und Abwasserbereiche fallen dabei unter die relevanten kritischen Sektoren. [4] Die ENISA (European Union Agency for Cybersecurity) weist zugleich auf Nachholbedarf im Wassersektor hin: Trinkwasser- und Abwassersektor zeigen im Vergleich zu anderen NIS2-Sektoren eine eher niedrige Cybersicherheitsreife; zudem nehmen Cloud-, IoT- und vernetzte Technologien zu, wodurch die Exposition gegenüber Cyberrisiken steigt. Das ist ein Warnsignal, denn ein Cybervorfall in der Wasserwirtschaft ist nie nur ein IT-Problem: ENISA hält fest, dass ein Vorfall im Trinkwassersektor zu Versorgungsunterbrechungen oder beeinträchtigter Wasserqualität führen kann, mit spürbaren Auswirkungen innerhalb weniger Stunden. [5]

Verantwortungsvoller Umgang mit Daten und Technologien

Damit wird deutlich: Die Zukunft der Wasserwirtschaft liegt nicht allein in mehr Daten, mehr Sensorik oder mehr Automatisierung. Entscheidend ist, diese Technologien verantwortungsvoll, sicher und resilient einzusetzen. KI kann helfen, Risiken früher zu erkennen und Entscheidungen besser abzusichern – sie darf aber nicht als isolierte Effizienztechnologie verstanden werden.

Gerade weil Wasserver- und Abwasserentsorgung kritische Infrastrukturen sind, müssen Digitalisierung, Cybersicherheit, organisatorische Vorsorge und regulatorische Anforderungen von Anfang an zusammengedacht werden. Nur so kann der Schritt von reaktiver Krisenbewältigung zu vorausschauender, robuster und vertrauenswürdiger Wasserbewirtschaftung gelingen.

>> Lesen Sie mehr zu den Themen Digitalisierung, KI und Cybersicherheit in der Maiausgabe 2026 der gwf Wasser/Abwasser (ET: 22.5.2026).


[1] https://www.who.int/teams/environment-climate-change-and-health/water-sanitation-and-health/water-safety-and-quality/water-safety-planning
[2] https://land.copernicus.eu/en/products/water-bodies/lake-water-quality-near-real-time-v2-1-300m
[3] https://www.unesco.org/en/articles/applications-artificial-intelligence-water-management
[4] https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/nis2-directive?utm_source=chatgpt.com
[5] https://www.enisa.europa.eu/sites/default/files/2025-03/ENISA%20-%20NIS360%20-%202024_0.pdf

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Jetzt Newsletter abonnieren

Stoff für Ihr Wissen, jede Woche in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

„Der Mensch bleibt die letzte Entscheidungsinstanz“
„Der Mensch bleibt die letzte Entscheidungsinstanz“

Die Wasserversorgung steht längst mitten im digitalen Umbruch – doch je stärker Systeme, Daten und Prozesse vernetzt werden, desto größer werden auch die Angriffsflächen. Dr.-Ing. Dirk Waider, Vorstand von Gelsenwasser, spricht im Interview über Cyberbedrohungen, Datensouveränität, die Rolle von KI als Entscheidungshilfe und die Frage, wie sich Versorgungssicherheit in einer zunehmend fragilen Welt realistisch organisieren lässt.

mehr lesen
Der Wassertwist
Der Wassertwist

Forschende der Abteilung Physikalische Chemie am Fritz-Haber-Institut und der Freien Universität Berlin machen die Anordnung von Wassermolekülen an der Grenzfläche von flüssigem Wasser zu Luft sichtbar. Ihre Erkenntnisse helfen die Chemie an der Grenzfläche besser zu verstehen, die maßgeblich durch die spezifische Anordnung der Wassermoleküle bestimmt wird. Die Studie zeigt, dass besonders ein bisher vernachlässigter Parameter von grundlegender Bedeutung ist: der Wasser-Twistwinkel.

mehr lesen
Antibiotikaresistenzen: Städtische Seen stark betroffen
Antibiotikaresistenzen: Städtische Seen stark betroffen

Ein Berliner Forschungsteam untersuchte Wasser- und Sedimentproben aus mehreren Gewässern sowie einer Kläranlage. In städtischen Proben fanden sie besonders viele Antibiotikaresistenz-Gene; am stärksten belastet waren Zu- und Abflüsse des Klärwerks. Resistente Keime traten jedoch auch in ländlichen Seen auf.

mehr lesen
Das war die IFAT 2026!
Das war die IFAT 2026!

Rund 142.000 Besucherinnen und Besucher aus knapp 160 Ländern und Regionen sowie etwa 3.400 Aussteller aus gut 60 Ländern kamen vom 4. bis 7. Mai nach München. Auf 300.000 Quadratmetern standen Lösungen für Wasser, Abwasser, Recycling und Circularity im Mittelpunkt.

mehr lesen
Mit Mikroblasen gegen Mikroplastik im Niederschlagswasser
Mit Mikroblasen gegen Mikroplastik im Niederschlagswasser

Mikroplastik schwebt in der Luft, treibt in den Ozeanen und befindet sich sogar im Trinkwasser. Die Kunststoffteilchen sind kleiner als fünf Millimeter, kaum abbaubar und gelten als gefährlich für die Umwelt und menschliche Gesundheit. Zu den Hauptquellen von Mikroplastik gehört der Abrieb von Reifen, der auf Straßen zurückbleibt und vom Regen in die Kanalisation und schließlich in die Gewässer gespült wird. Eine Idee, um dieses Problem zu lösen, hat das Start-up MicroBubbles aus Bad Lippspringe.

mehr lesen

Passende Firmen zum Thema:

VEGA Grieshaber KG

Thema: Digitalisierung

Digitalisierung und

Barthauer Software GmbH

Thema: Digitalisierung

Netzinformationssysteme BaSYS – smart IT for smart

Sie möchten die gwf Wasser + Abwasser testen

Bestellen Sie Ihr kostenloses Probeheft

Überzeugen Sie sich selbst: Gerne senden wir Ihnen die gwf Wasser + Abwasser kostenlos und unverbindlich zur Probe!

Finance Illustration 03
Datenschutz
gwf-wasser.de, Inhaber: Vulkan-Verlag GmbH (Firmensitz: Deutschland), würde gerne mit externen Diensten personenbezogene Daten verarbeiten. Dies ist für die Nutzung der Website nicht notwendig, ermöglicht aber eine noch engere Interaktion mit Ihnen. Falls gewünscht, treffen Sie bitte eine Auswahl:
Datenschutz
gwf-wasser.de, Inhaber: Vulkan-Verlag GmbH (Firmensitz: Deutschland), würde gerne mit externen Diensten personenbezogene Daten verarbeiten. Dies ist für die Nutzung der Website nicht notwendig, ermöglicht aber eine noch engere Interaktion mit Ihnen. Falls gewünscht, treffen Sie bitte eine Auswahl: