Eine Dürre in einer einzelnen Agrarregion kann bereits erhebliche Ernteausfälle verursachen. Treffen starke Dürren jedoch mehrere der weltweit wichtigsten Weizenanbaugebiete gleichzeitig oder in mehreren aufeinanderfolgenden Jahren, können die Folgen weit über die betroffenen Regionen hinausreichen. Ein internationales Forschungsteam hat untersucht, wie sich solche Ereignisse auf die globalen Weizenpreise auswirken.
Dafür kombinierten die Forschenden Klimabeobachtungen, Daten zu weltweiten Anbaugebieten und Rohstoffpreisen mit Simulationen verschiedener Klimamodelle. Die Ergebnisse zeigen einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem Ausmaß starker Wasserknappheit in Weizenanbaugebieten und dem globalen Weizenpreis. Mit fortschreitender Erderwärmung könnte dieser Effekt weiter zunehmen.
Die Studie wurde von Prof. Dr. Miroslav Trnka vom Global Change Research Institute (CzechGlobe) der Tschechischen Akademie der Wissenschaften geleitet. Beteiligt waren außerdem Prof. Dr. Jan Esper vom Geographischen Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und Prof. Dr. Max Torbenson, der inzwischen von der JGU an die Texas A&M University in den USA gewechselt ist. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Earth’s Future“ veröffentlicht.
Weizen reagiert besonders stark auf Wassermangel
Im Mittelpunkt der Untersuchung stand Weizen, der für die weltweite Ernährung eine zentrale Rolle spielt. Er wird global auf einer größeren Fläche angebaut als Reis oder Mais, liefert einen erheblichen Anteil der aufgenommenen Kalorien und Proteine und gehört zu den international am stärksten gehandelten Agrarprodukten. Gleichzeitig liegen viele Weizenanbaugebiete in Regionen mit begrenzter Wasserverfügbarkeit.
Während frühere Untersuchungen zu den Folgen des Klimawandels für Nahrungsmittelpreise häufig langfristige Veränderungen der durchschnittlichen Ernteerträge betrachteten, wählte das Forschungsteam einen anderen Ansatz. Untersucht wurde, ob sich globale Getreidepreise mit dem räumlichen Ausmaß von Wasserknappheit während der Wachstumsphase der Pflanzen in Verbindung bringen lassen. Dazu entwickelten die Forschenden einen weltweit anwendbaren und auf die jeweilige Nutzpflanze zugeschnittenen Indikator für starke Wasserknappheit, die sogenannte „Severe Water Scarcity“ (SWS). Berücksichtigt werden sowohl kurzfristige als auch länger anhaltende Dürren. Im Fokus stehen die vier Monate vor der Ernte, in denen die Pflanzen besonders empfindlich auf Wassermangel reagieren.
Anschließend ermittelten die Forschenden, wie stark die Anbauflächen von Weizen, Mais und Reis von solchen Ereignissen betroffen waren, und verglichen die Ergebnisse mit den jeweiligen globalen Rohstoffpreisen. Der stärkste Zusammenhang zeigte sich beim Weizen.

Hauptanbaugebiete von Reis, Mais und Weizen mit Hervorhebung der 10 wichtigsten Exportländer. Die Ringdiagramme zeigen die Anteile der drei wichtigsten Kulturpflanzen an der globalen Ackerfläche, der Kalorienversorgung und am Handel mit Agrarerzeugnissen. Abb./©: Trnka et al., Earth’s Future 14 (2026), e2025EF006095, CC BY 4.0
Wasserknappheit beeinflusst Weizenpreise deutlich
Ein Modell, das ausschließlich das Ausmaß starker Wasserknappheit berücksichtigt, konnte 74 Prozent der jährlichen Schwankungen der globalen Weizenpreise zwischen 2000 und 2021 erklären. Die Daten aus den Jahren 2022 bis 2024 waren nicht in die Entwicklung des Modells eingeflossen. Dennoch konnte es auch für diesen von starken Verwerfungen auf den Weltmärkten geprägten Zeitraum die Größenordnung und Entwicklung der Weizenpreise grundsätzlich abbilden.
Bei Mais lassen sich demnach bis zu 40 Prozent der Preisschwankungen mit starker Wasserknappheit in Verbindung bringen. Für Reis stellten die Forschenden dagegen keinen vergleichbaren Zusammenhang fest.
Klimamodelle erwarten weiteren Preisanstieg
Für den Blick in die Zukunft wertete das Forschungsteam Simulationen von insgesamt 31 globalen Klimamodellen aus. Sie zeigen eine klare Tendenz: Mit zunehmender Erderwärmung nimmt starke Wasserknappheit in den Weizenanbaugebieten zu. Gleichzeitig steigen die auf Grundlage des Modells geschätzten Weizenpreise.
Bei einer globalen Erwärmung um 2 Grad Celsius gegenüber dem Referenzzeitraum 1951 bis 1980 ergibt das Modell einen durchschnittlichen Weizenpreis von rund 273 US-Dollar pro Tonne. Bei einer Erwärmung um 3 Grad Celsius steigt der geschätzte Preis auf 364 US-Dollar pro Tonne. Das entspricht etwa dem Dreifachen des inflationsbereinigten globalen Weizenpreises im Jahr 2010.
Dürren wirken sich über Anbauregionen hinaus aus
Die Entwicklung der Weizenpreise hängt allerdings nicht allein von Dürren ab. Auch Energie- und Düngemittelkosten, Lagerbestände, Wechselkurse, handelspolitische Entscheidungen, Markterwartungen, Schädlinge und Pflanzenkrankheiten sowie geopolitische Konflikte beeinflussen die internationalen Agrarmärkte.
Die Studie macht jedoch ein klimabedingtes Signal sichtbar, das bislang nur schwer zu erfassen und zu quantifizieren war: Großräumige Wasserknappheit in mehreren wichtigen Produktionsregionen kann sich über die internationalen Märkte auf den weltweiten Weizenpreis auswirken. Das ist insbesondere mit Blick auf die globale Ernährungssicherheit relevant. Weizen ist für einen großen Teil der Weltbevölkerung ein wichtiges Grundnahrungsmittel. Sind mehrere bedeutende Produktionsregionen gleichzeitig oder kurz nacheinander von schweren Dürren betroffen, können die Folgen deshalb auch Länder und Haushalte treffen, die Tausende Kilometer von den eigentlichen Anbaugebieten entfernt liegen.
Die Forschenden plädieren daher dafür, bei künftigen Bewertungen der globalen Ernährungssicherheit nicht nur langfristige Veränderungen durchschnittlicher Ernteerträge zu betrachten. Auch großräumige, wiederkehrende und geografisch miteinander verbundene Ereignisse extremer Wasserknappheit, die mehrere wichtige Produktionsregionen gleichzeitig oder kurz nacheinander treffen, sollten stärker berücksichtigt werden.
Originalpublikation: Climate‐Induced Severe Water Scarcity Events as Harbingers of Global Wheat Price – Trnka – 2026 – Earth’s Future – Wiley Online Library









