Ein Gründach für den Zuschauerbereich, Sonnenschutz am Vereinsheim, eine Regenwasserzisterne, wasserdurchlässige Flächen und eine begrünte Fassade bilden die fünf zentralen Bausteine eines neuen Klimaanpassungskonzepts für den FSV Cappel. Entwickelt wurde es vom Öko-Institut gemeinsam mit dem Fußballverein, dem Architekturbüro Atelier Spitzner und der Lean FM GmbH. Gefördert wurde das Projekt über die Förderrichtlinie „Klimaanpassung in sozialen Einrichtungen“ des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz.
Der FSV Cappel zählt mehr als 550 Mitglieder. Rund 400 davon sind aktive Spielerinnen, darunter etwa 300 Kinder und Jugendliche. Auch Seniorinnen halten sich regelmäßig auf dem Vereinsgelände auf. Gerade Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Beeinträchtigungen können durch zunehmende Hitze, intensive UV-Strahlung und mangelnden Witterungsschutz besonders belastet werden.
„Unser Klimaanpassungskonzept verbindet wissenschaftliche Analysen mit den Erfahrungen der Menschen, die die Anlage täglich nutzen“, sagt Stefanie Degreif, Projektleiterin am Öko-Institut. „Gemeinsam konnten wir Maßnahmen entwickeln und bewerten, die gezielt auf die Situation beim FSV Cappel zugeschnitten sind.“
Versiegelte Flächen verstärken die Belastung
Die Untersuchungen zeigen, dass insbesondere Hitze und starke Sonneneinstrahlung Probleme auf der Sportanlage verursachen. Wenige Schattenplätze, versiegelte Asphaltflächen und ein fehlender außenliegender Sonnenschutz begünstigen die Aufheizung des Vereinsheims und seiner Umgebung. Besonders deutlich wird dies auf dem Kunstrasenplatz: Bei einer Lufttemperatur von rund 35 Grad Celsius kann sich dessen Oberfläche auf bis zu 55 Grad Celsius erwärmen. Hinzu kommt das Risiko durch Starkregen. Da große Teile des Geländes versiegelt sind, kann Niederschlagswasser nur begrenzt versickern. Überflutete oder nasse Bereiche können den Trainings- und Spielbetrieb beeinträchtigen. Gleichzeitig fehlen teilweise geschützte Bereiche, in die sich Menschen bei schlechtem Wetter zurückziehen können.
„Das Vereinsgelände ist ein Treffpunkt für viele unterschiedliche Menschen. Deshalb ist es uns wichtig, dass sich Kinder, Aktive, ältere Mitglieder und Zuschauer*innen auch bei zunehmender Hitze oder Starkregen sicher dort aufhalten können“, sagt Reiner Muth vom FSV Cappel. „Das Konzept gibt uns eine konkrete Grundlage, um die Anlage Schritt für Schritt klimaangepasster zu gestalten.“
Aus 40 Ideen werden fünf konkrete Vorhaben
Insgesamt sammelte das Projektteam 40 mögliche Ansätze, um das Sportgelände widerstandsfähiger gegenüber den Folgen von Extremwetter zu machen. In einem mehrstufigen Auswahlprozess wurden daraus fünf bauliche Maßnahmen priorisiert und anschließend einer umfassenden Nachhaltigkeitsprüfung unterzogen.
Gründach über dem Zuschauerbereich: Eine Holzkonstruktion mit begrüntem Retentionsdach soll die barrierefreien Rollstuhl- und Begleitplätze künftig vor Sonne, Hitze und Niederschlag schützen. Gleichzeitig kann das Dach Regenwasser zurückhalten, durch Verdunstung zur Kühlung beitragen und zusätzliche Lebensräume für Pflanzen und Tiere schaffen.
Sonnenschutz am Vereinsheim: An der südwestlichen Fensterfront sollen regelbare außenliegende Sonnenschutzsysteme den Wärmeeintrag und die Blendwirkung reduzieren. Für den Gastraum und den Außenverkauf sind jeweils an die Nutzung angepasste Lösungen vorgesehen.
Regenwasserzisterne: Niederschlagswasser soll gesammelt und anschließend zur Bewässerung der Kinderarena genutzt werden. Damit lässt sich der Trinkwasserverbrauch reduzieren. Gleichzeitig verbleibt mehr Regenwasser auf dem Gelände und kann über die Rasenflächen versickern, anstatt direkt in die Kanalisation abgeleitet zu werden.
Teilentsiegelung des Eingangsbereichs: Die vorhandene Asphaltfläche soll einem wasserdurchlässigen Pflasterbelag weichen. Dabei müssen sowohl die Barrierefreiheit als auch die Befahrbarkeit für Rettungsfahrzeuge erhalten bleiben. Wenn möglich, sollen gebrauchte Pflastersteine wiederverwendet werden.
Begrünung der Südfassade: Kletterpflanzen und Rankhilfen sollen die stark der Sonne ausgesetzte Fassade verschatten. Neben einer kühlenden Wirkung auf das Gebäudeumfeld kann die Begrünung die Artenvielfalt fördern und zur Verbesserung der Luftqualität beitragen. Ein Pflege-, Bewässerungs- und Kontrollkonzept soll die Wirkung langfristig sichern.
Mitglieder bringen Erfahrungen aus dem Vereinsalltag ein
Bei der Erarbeitung des Konzepts wurden die Menschen, die das Gelände regelmäßig nutzen, frühzeitig einbezogen. An einer Befragung nahmen 155 Vereinsmitglieder und Besucher*innen verschiedener Altersgruppen und mit unterschiedlichen Funktionen im Verein teil.
In einem Workshop im Februar 2026 diskutierten Vertreterinnen verschiedener Vereinsgruppen die möglichen Anpassungsmaßnahmen und legten gemeinsam Prioritäten fest. Die fünf ausgewählten Vorhaben verbinden damit wissenschaftliche und bauliche Erkenntnisse mit den praktischen Erfahrungen der Nutzerinnen.
Mit dem Klimawandel nehmen Hitzeperioden, Dürren und Starkregenereignisse in Deutschland zu. Die Folgen betreffen nicht nur Vereinsgebäude und Sportflächen, sondern auch Sportlerinnen, Zuschauerinnen, Betreuungspersonen und weitere Menschen, die sich dort aufhalten. Maßnahmen zur Klimaanpassung sollen daher sowohl die Infrastruktur als auch die Gesundheit der Nutzer*innen schützen.
Beitrag zu den Klimazielen der Stadt Marburg
Mit seinem Klimaanpassungskonzept orientiert sich der FSV Cappel an den entsprechenden Zielen der Stadt Marburg und will einen konkreten Beitrag zu einer klimaresilienten Stadtentwicklung leisten. Dazu arbeitet der Verein mit den zuständigen Fachbereichen der Stadt zusammen, um die geplante Weiterentwicklung des Sportgeländes mit den kommunalen Klimazielen abzustimmen.
Originalpublikation: Klimaanpassungskonzept für den Fußballverein FSV 1926 Cappel e.V. in Marburg | oeko.de









