Filter by Themen
Filter by Kategorien
Filter by Veranstaltungsschlagworte
FS Logoi

Niedrigwasser hält an: So können Kommunen ihre Gewässer schützen

Die anhaltende Trockenheit sorgt in Baden-Württemberg weiterhin für extreme Niedrigwasserstände. Kommunen können die Herbst- und Wintermonate nutzen, um Bäche und Flüsse besser auf künftige Hitze- und Trockenperioden vorzubereiten. Maßnahmen wie Uferbepflanzungen, Kaltwasserpools und Fischunterstände stärken die Widerstandsfähigkeit der Gewässer und schützen ihre Ökosysteme.

von | 01.10.26

Gewässer besser vor extremer Hitze zu schützen, wird künftig eine immer wichtigere Aufgabe für die Kommunen im Land.
Quelle: Adobestock/2150197637

Die seit Monaten anhaltende Trockenheit in Baden-Württemberg ist nach wie vor akut, es gibt keine Entwarnung, was die Niedrigwasser-Situation im gesamten Land betrifft. 01Sie können die Herbst- und Wintermonate dafür nutzen, um ihre Bäche und Flüsse widerstandsfähiger gegen die immer häufiger auftretenden Trockenheits-Phasen zu machen. Beispielsweise durch die Beschattung der Gewässer durch Baumpflanzaktionen oder den Bau von Fischunterständen schützen sie Flora und Fauna. Die Fachleute des Kompetenzzentrums Wasser und Boden der KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA-BW) unterstützen Kommunen mit Informationen und Praxisbeispielen.

Vitale Gewässer sind gegenüber Niedrigwasser resilienter und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Stabilität natürlicher Ökosysteme sowie zur Lebensqualität der Bevölkerung. Sie bieten Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, tragen zu einem ausgeglichenen Wasserhaushalt bei und wirken als natürliche Puffer bei Hitze und Niedrigwasser sowie bei Hochwasser und Starkregen.

Historisches Wasserdefizit im Südwesten

Die Folgen des heißen Sommers sind nach wie vor im ganzen Land spürbar, die Niedrigwasser-Situation hält bis jetzt an. Das zuständige Niedrigwasser-Informationszentrum Baden-Württemberg (NIZ) hat gemessen, wie weit verbreitet Wassermangel und Trockenheit im Land sind. Seit November 2025 mit Ausnahme des Februars waren alle Monate deutlich zu trocken. Im August 2026 etwa hat es in Baden-Württemberg im Durchschnitt nur 63 Millimeter geregnet; der typische Augustniederschlag liegt bei 95 Millimeter. Laut NIZ erlebt der Südwesten zurzeit ein historisches Wasserdefizit.

Niedrigwasser ist nicht nur ein Problem der Sommermonate, sondern es begleitet die Menschen das ganze Jahr über – künftig könnte sich das noch ausweiten. Dabei sind Trockenheit, Hitze und Niedrigwasser eine große Belastung für Flora und Fauna in und um die Gewässer im Südwesten. Fehlende Beschattungen an den Ufern machen unter anderem die Flüsse immer wärmer, das bedeutet weniger Sauerstoff im Wasser und damit Stress für die darin lebenden Fische und wirbellose Kleinstlebewesen wie Insektenlarven, Würmer und Schnecken.

Hitze und Trockenheit setzen Gewässer zunehmend unter Druck

Die Wassertemperaturen sind zuletzt deutlich gestiegen: In Flüssen kommt es immer öfter zu sehr hohen Wassertemperaturen. Rhein, Donau und Neckar hatten Temperaturen von über 25 Grad Celsius im Tagesmittel. Zusätzlich treten in den Sommermonaten zunehmend lange Trockenphasen mit ausgeprägten Niedrigwasserphasen auf. Der sinkende Grundwasserspiegel trocknet die Gewässerauen aus, gleichzeitig häufen sich Starkregenereignisse.

Natürliche Gewässer sind widerstandsfähiger gegenüber diesen Entwicklungen als verbaute Bäche und Flüsse. „Der Ausbau der Ufervegetation zum Beschatten und das Anlegen von Rückzugsgebieten für kälteliebende Fische sind wichtige Schritte hin zu mehr Widerstandsfähigkeit“, sagt Georg Kahles von der KEA-BW, Leiter des Kompetenzzentrums. „Die Monate Oktober bis Februar eignen sich ideal, um Unterhaltungsarbeiten wie das Pflanzen von Bäumen und den Bau von Fischunterständen voranzutreiben. Natürlich müssen hier der Hochwasserschutz und andere Aspekte, wie etwaige Fischlaichzeiten berücksichtigt werden.“

Ufergehölze als natürlicher Hitzeschutz

Bäume und Gehölz an Ufern von Bächen und Flüssen erfüllen wichtige Aufgaben. Sie wirken wie natürliche Klimaanlagen für die Gewässer und schützen vor einer intensiven Erwärmung. Vitale Gewässer mit natürlichen und vielfältigen Gewässerstrukturen verfügen über genügend Raum, Ufergehölz zur Beschattung und natürliche Abflussverhältnisse. Darüber hinaus können sie Extremwetterereignisse besser abpuffern.

Viele Bäche und Flüsse wurden in der Vergangenheit jedoch stark verbaut und haben diese natürlichen Fähigkeiten eingebüßt. Das Anpflanzen von Schatten spendenden Bäumen und Sträuchern ist daher eine wirkungsvolle Maßnahme hin zu mehr Resilienz.

„Geeignete Baumarten für die Pflanzung an Ufern sind beispielsweise Schwarz-Erlen, Baumweiden, Flatter-Ulmen und Schwarzpappeln“, so Martina Bachmann, Expertin für Gewässerunterhaltung bei der KEA-BW. „Wichtig ist es, die Bäume oder Sträucher möglichst nah an der Uferlinie zu pflanzen. Dann bieten die Baumwurzeln später auch noch Struktur und natürliche Unterstände für Fische.“

Konkrete Planungen sind mit der unteren Naturschutzbehörde und der unteren Wasserbehörde abzuklären.

Kühle Rückzugsorte für Fische schaffen

Hinzu kommt: Kälteliebende Fische wie Bachforellen geraten angesichts der klimatischen Entwicklung immer mehr unter Temperaturstress. In naturnahen Gewässern bieten natürliche Vertiefungen und tiefe Rinnen am Boden den Fischen wichtige kühlere Rückzugsräume. In verbauten Gewässern fehlen diese natürlichen Grundlagen. Hier können künstliche Kaltwasserpools helfen. Das sind künstlich angelegte Vertiefungen am Gewässergrund, die durch Grundwasser oder kalte Zuflüsse gespeist werden. Das kühlere Wasser bietet Äschen und Bachforellen bei niedrigen Wasserständen und hohen Temperaturen einen Rückzugsbereich.

Eine weitere sinnvolle Baumaßnahme zum Schutz der Fische ist das Errichten von künstlichen Fischunterständen.

„Mit Fischunterständen schaffen Gemeinden für die heißen Monate Ausweichorte für die dort vorkommenden Fischarten“, sagt Georg Kahles. „Fischunterstände sind überall dort sinnvoll, wo natürliche Unterstände wie Wurzeln nicht mehr vorhanden sind.“

Künstlich geschaffene Fischunterstände sollten von der Beschaffenheit her an die Art der Fische angepasst werden. Großwüchsige Schwarmfische wie Nasen und Barben brauchen große und tiefe Unterstände, während Bachforellen kleinere Unterstände bevorzugen. Praktische Kompaktinfos und Bausteckbriefe zu den genannten und weiteren Maßnahmen finden Interessierte in den gemeinsam vom Kompetenzzentrum Wasser und Boden sowie der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) erarbeiteten Broschüren der Reihe Vitale Gewässer:

Kompaktinfos Bausteckbriefe

Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) hat die Beschattungspotenziale für Fließgewässer anhand einer Modellierung dargestellt. Auf https://umweltdaten.lubw.baden-wuerttemberg.de/ einfach den Begriff Fließgewässer eingeben.

Das Kompetenzzentrum Wasser und Boden der KEA-BW betreibt seit über 30 Jahren das Netzwerk der Gewässernachbarschaften. Die 43 Gewässernachbarschaften in Baden-Württemberg vernetzen Fachleute aus Kommunen, Landesverwaltung und weitere Akteure, um Methoden einer naturgemäßen Gewässerentwicklung und -unterhaltung praxisnah zu vermitteln. Eingeladen sind alle Personen, die vor Ort mit der Unterhaltung von Gewässern betraut sind: https://wasserundboden.kea-bw.de/zielgruppen-und-netzwerke/gewaessernachbarschaften


Quelle: KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg GmbH

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Jetzt Newsletter abonnieren

Stoff für Ihr Wissen, jede Woche in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

Arendsee gibt 10.500 Jahre alte Holzfunde frei
Arendsee gibt 10.500 Jahre alte Holzfunde frei

Bei unterwasserarchäologischen Untersuchungen im Arendsee haben Forschende außergewöhnlich gut erhaltene, bis zu 10.500 Jahre alte Hölzer entdeckt. Die Funde könnten von bislang unbekannten Konstruktionen aus der Mittelsteinzeit stammen und neue Erkenntnisse über die Lebensweise damaliger Jäger und Sammler liefern.

mehr lesen
Ecomondo 2026: Wasserwirtschaft und resiliente Infrastrukturen
Ecomondo 2026: Wasserwirtschaft und resiliente Infrastrukturen

Vom 3. bis 6. November 2026 bringt die Ecomondo in Rimini Unternehmen, Versorger, Forschung und Politik aus der Green, Blue und Circular Economy zusammen. Für die Wasserwirtschaft stehen unter anderem Wasser- und Abwasserbehandlung, resiliente Infrastrukturen, Digitalisierung, Wasserwiederverwendung und die europäische Wasserpolitik im Mittelpunkt.

mehr lesen
DVGW-Kongress: EU-Vorgaben für Trinkwassermaterialien
DVGW-Kongress: EU-Vorgaben für Trinkwassermaterialien

Welche komplexen europäischen Regelungen ab dem 31.12.2026 gelten, beleuchtet der DVGW-Kongress am 17. November 2026 (online). Im Fokus stehen die neuen EU-Regularien für Materialien im Kontakt mit Trinkwasser: Europaweite Positivlisten, Zertifizierung und Konformitätsbewertung lösen die bisherigen nationalen UBA-Bewertungsgrundlagen ab – diese bleiben unter bestimmten Voraussetzungen nur noch bis maximal 2032 anwendbar. Offene Fragen reichen vom Umgang mit Bestandsprodukten bis zu Bleigrenzwerten bei metallenen Werkstoffen.

mehr lesen
Innovationspreis für Echtzeitmonitoring im Gewässerschutz
Innovationspreis für Echtzeitmonitoring im Gewässerschutz

Das Projekt „Mehr Wasser für die Aue“ verbindet Gewässerentwicklung mit modernem Echtzeitmonitoring. Dafür wurden wilde-natur.org und der UHV 20 „Untere Oste“ beim niedersächsischen Gewässerwettbewerb „Bach im Fluss 26“ mit dem Innovationspreis ausgezeichnet.

mehr lesen

Passende Firmen zum Thema:

Fränkische Rohrwerke Gebr. Kirchner GmbH & Co. KG

Thema: Wasserstress

Regenwasser-Behandlung, -Versickerung,

ENREGIS GmbH

Thema: Wasserstress

ENREGIS ist ein ausgesprochen dynamisches Unternehmen mit fachlich versierten und erfahrenen Mitarbeitern aus dem Segment des Regenwasser-Managements, der Entwässerungstechnik sowie der ökologischen regenerativen Wärmetechnik und der dazu gehörenden Dienstleistungen. Im Vertrieb und in der Beratung

Sie möchten die gwf Wasser + Abwasser testen

Bestellen Sie Ihr kostenloses Probeheft

Überzeugen Sie sich selbst: Gerne senden wir Ihnen die gwf Wasser + Abwasser kostenlos und unverbindlich zur Probe!

Finance Illustration 03
Datenschutz
gwf-wasser.de, Inhaber: Vulkan-Verlag GmbH (Firmensitz: Deutschland), würde gerne mit externen Diensten personenbezogene Daten verarbeiten. Dies ist für die Nutzung der Website nicht notwendig, ermöglicht aber eine noch engere Interaktion mit Ihnen. Falls gewünscht, treffen Sie bitte eine Auswahl:
Datenschutz
gwf-wasser.de, Inhaber: Vulkan-Verlag GmbH (Firmensitz: Deutschland), würde gerne mit externen Diensten personenbezogene Daten verarbeiten. Dies ist für die Nutzung der Website nicht notwendig, ermöglicht aber eine noch engere Interaktion mit Ihnen. Falls gewünscht, treffen Sie bitte eine Auswahl: