Mit der neuen Staumauer Spitallamm im Berner Oberland ist nun eines der anspruchsvollsten Wasserbauprojekte der Schweiz umgesetzt. Nach rund zehn Jahren Planung und Bauzeit ersetzen die Kraftwerke Oberhasli AG (KWO) die fast 90 Jahre alte Mauer durch eine moderne, doppelt gekrümmte Bogenstaumauer – bei laufendem Betrieb der Stromproduktion.
Ersatzneubau wenige Meter vor dem historischen Bauwerk
Die ursprüngliche Spitallamm-Staumauer am Grimselsee wurde 1932 fertiggestellt und gilt als bedeutendes Zeugnis der frühen Betonbaukunst. Im Laufe der Jahrzehnte zeigten sich jedoch Risse und Trennungen im Bauwerk, die eine Grundsanierung unwirtschaftlich sowie technisch riskant machten. Stattdessen entschied sich KWO 2015 für einen Ersatzneubau direkt vor der bestehenden Mauer.
2019 begann die Arbeitsgemeinschaft ARGE Grimsel – bestehend aus Frutiger AG, Implenia und Ghelma AG Baubetriebe – mit den Bauarbeiten. Im Sommer 2025 wurde die alte Mauer erstmals aufgestaut, womit die letzten Arbeiten für die endgültige Inbetriebnahme anliefen. Das Gesamtprojektvolumen liegt bei rund 125 Millionen Schweizer Franken.

Die neue Spitallamm-Staumauer erreicht 113 Meter Höhe, ist jedoch für eine spätere Aufstockung zur Vergrößerung des Grimselsees ausgelegt. Bildquelle: Implenia
Alpine Baustelle mit hoher technischer Komplexität
Der Neubau folgt exakt der Höhe des Vorgängerbauwerks mit 114 Metern und einer Kronenlänge von 212 Metern. Aufgrund der Höhenlage von bis zu 1.980 Metern über Meer war das Baufenster auf die schneefreien Monate von Mai bis Oktober begrenzt. Die logistischen und zeitlichen Rahmenbedingungen forderten eine präzise Organisation und Betoniervorgänge nahezu im Akkord.
Rund 100 Beschäftigte arbeiteten in mehreren Schichten täglich an der Baustelle. Etwa 500 Kubikmeter Beton wurden pro Tag verbaut – genug für ein drei Meter hohes Mauersegment. Die exakte Vermessung jedes Blocks war entscheidend, um die komplexe Krümmung der Bogenstaumauer millimetergenau zu realisieren. Eine interne Wasserkühlung mit Wasser aus dem See, das über 40 Kilometer Rohrleitungen zirkulierte, stellte die gleichmäßige Erhärtung sicher.
Lokaler Beton mit besonderer Gesteinskörnung
Für den Bau kam ein speziell entwickelter Beton zum Einsatz, hergestellt in einer eigens errichteten Anlage in unmittelbarer Nähe der Baustelle. Das verwendete Gestein stammte überwiegend aus Sprengungen und Abtragungen vor Ort. Teilweise wurde auch Material aus früheren Tunnel- und Kraftwerksprojekten in der Region aufbereitet. Auffällig war insbesondere die grobe Gesteinskörnung von bis zu 125 Millimetern.
Modernes Bauwerk mit Zukunftsperspektive
Die neue Spitallamm-Staumauer bleibt mit 113 Metern Höhe zunächst auf dem Niveau der Vorgängerin, ist jedoch statisch so ausgelegt, dass eine spätere Erhöhung zur Erweiterung des Grimselsees möglich wäre.
Die alte Staumauer bleibt bestehen und wird auf beiden Seiten eingestaut. Ein Verbindungstunnel sorgt für den hydraulischen Ausgleich zwischen Alt- und Neubau. Implenia bringt in das Projekt ihre umfangreiche Erfahrung im Wasserbau ein – unter anderem aus der Erhöhung der Staumauer Vieux Emosson (VS).
Weitere spannende Wasser-Infrastrukturprojekte finden Sie übrigens in der jüngsten Printausgabe der gwf Wasser|Abwasser.
Quellen: Implenia, BauNetz-Wissen







