Frau Schlipf, welche Themen stehen bei RISA derzeit ganz oben auf der Agenda?
Dr.-Ing. Sonja Schlipf: „Wir verfolgen die verschiedenen RISA-Ziele inzwischen sehr gleichwertig. Dazu gehören die Starkregenvorsorge, die Annäherung an einen naturnahen Wasserhaushalt, die Regenwasserbehandlung zum Schutz der Gewässer sowie die Wiederverwendung von Regenwasser als Ressource. Gleichzeitig geht es natürlich auch um Themen wie Stadtklima und Klimafolgenanpassung. Das Besondere ist, dass diese Themen heute nicht mehr isoliert betrachtet werden. Wir entwickeln Strategien, schaffen Datengrundlagen, setzen konkrete Projekte um und vernetzen unterschiedliche Akteure miteinander. Ein Schwerpunkt der vergangenen Jahre war dabei die Frage, wie wir Flächen multifunktional nutzen können.“
Was bedeutet das konkret?
Dr.-Ing. Sonja Schlipf: „Hamburg ist ein Stadtstaat mit sehr begrenzten Flächenressourcen. Deshalb müssen wir überlegen, wie sich Regenwasserrückhalt, Aufenthaltsqualität, Verkehr, Grünflächen oder Freizeitnutzung miteinander verbinden lassen. Das führt automatisch dazu, dass wir stärker ressortübergreifend arbeiten müssen. Gleichzeitig stellen sich dabei ganz praktische Fragen: Wie funktioniert Verkehrssicherung? Wer ist später für Pflege und Unterhaltung verantwortlich? Und wie lassen sich solche Lösungen rechtlich in Bauleitplanung und Genehmigungsprozesse integrieren?
Parallel dazu treiben wir das Thema Starkregenvorsorge weiter voran. Dafür wurden in den vergangenen Jahren Risikoanalysen erstellt, die jetzt in die Bezirke ausgerollt werden, damit dort priorisiert Maßnahmen umgesetzt werden können.“
Verändert dieses Denken in multifunktionalen Flächen auch die Art, wie Stadtplanung künftig gedacht werden muss?
Dr.-Ing. Sonja Schlipf: „Ja, definitiv. Früher wurden viele Funktionen im Stadtraum eher getrennt betrachtet – Verkehr, Grünflächen, Wasserwirtschaft oder Freizeitnutzung. Heute müssen wir viel stärker überlegen, wie dieselben Flächen mehrere Aufgaben gleichzeitig erfüllen können. Das ist anspruchsvoll, weil unterschiedliche Fachbereiche teilweise auch unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was Multifunktionalität bedeutet. Aus Sicht der Grün- und Landschaftsplanung kann das etwas anderes heißen als aus Sicht der Wasserwirtschaft. Gleichzeitig liegt genau darin aber auch eine große Chance für eine klimaangepasste Stadtentwicklung.“
Die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Behörden und Ressorts ist oft schwierig. Wie erleben Sie das in Hamburg?
Lesen Sie das komplette Interview in der Ausgabe 6Dr.-Ing. Sonja Schlipf: „Natürlich gibt es unterschiedliche Interessen und Perspektiven. Gleichzeitig ist es wichtig, dass jedes Ressort zunächst für sich klärt, warum Klimaanpassung und Regenwassermanagement für die eigenen Ziele relevant sind. Genau das ist in den vergangenen Jahren passiert. Die Verkehrsbehörde beschäftigt sich beispielsweise mit klimaresilienten Straßenräumen, die Stadtentwicklung integriert Klimaanpassung inzwischen systematisch in Förderprogramme und Stadtentwicklungsprojekte. Auch die Bezirke arbeiten an eigenen Klimaanpassungskonzepten. Entscheidend ist, dass man anschließend wieder zusammenkommt und gemeinsame Ziele formuliert. Genau dieser Austausch findet inzwischen deutlich stärker statt als noch vor einigen Jahren – und das ist aus meiner Sicht eine sehr positive Entwicklung.“







