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Europäische Strategie zur Wasserresilienz

Die deutschen Branchenverbände begrüßen Initiative der EU-Kommission, fordern aber auch konkrete Maßnahmen zur Stärkung der Wasserversorgung.

von | 05.06.25

Quelle: AdobeStock/Tide

Die kürzlich vorgestellte Europäische Strategie zur Wasserresilienz (European Water Resilience Strategy) wird von den führenden deutschen Branchenverbänden BDEW, VKU und DVGW grundsätzlich begrüßt. Die Verbände betonen jedoch, dass es für eine nachhaltige Umsetzung konkrete Maßnahmen und eine stärkere Berücksichtigung nationaler Anforderungen brauche.

Überblick über die EU-Strategie zur Wasserresilienz

Im Mittelpunkt der Wasserresilienz-Strategie der EU-Kommission für die laufende Legislaturperiode bis 2029 stehen drei zentrale Ziele:

  • Schutz und die Stärkung des Wasserkreislaufs,
  • Aufbau einer „wasser-intelligenten“ Wirtschaft sowie
  • sauberes und erschwingliches Wasser und Sanitärversorgung für alle.

Zur Umsetzung dieser Ziele setzt die Kommission auf fünf politische Aktionsfelder und bündelt darin rund 70 Maßnahmen zur Unterstützung der Mitgliedstaaten. Dazu zählen unter anderem: die nationale Umsetzung wasserrelevanter EU-Vorgaben, der Ausbau einer wasserresilienten Infrastruktur, gezielte Investitionen in den Schutz von Wasserkreisläufen und Versorgungsnetzen sowie die Förderung innovativer Technologien im Wassersektor.

BDEW: Wasserresilienz ganzheitlich und sektorübergreifend denken

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hebt die Bedeutung eines ganzheitlichen und sektorübergreifenden Ansatzes hervor. Angesichts des Klimawandels fordert der Verband eine zügige Modernisierung der Wasserinfrastruktur und warnt vor neuen Schadstoffeinträgen in die Gewässer.

Der BDEW spricht sich insbesondere für die konsequente Anwendung des Verursacherprinzips sowie für eine flächendeckende Erfassung von Wasserentnahmen aus – auch durch eine verpflichtende Ausstattung privater Brunnen mit Wasserzählern.

Martin Weyand, BDEW-Hauptgeschäftsführer Wasser/Abwasser, erklärt dazu: „Die Transparenz der Wasserentnahme ist essenzielle Voraussetzung dafür, um zielgerichtete Maßnahmen im Rahmen einer drohenden Wassermangelsituation umzusetzen. Der Wasserverbrauch aller Sektoren muss effizient und nachvollziehbar erfasst werden, um zukunftssichere Planungen zu ermöglichen.“

VKU: Kommunale Belange und Qualitätssicherung stärker berücksichtigen

Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) begrüßt, dass Städte und Gemeinden auch künftig der zentrale Ort bleiben, an dem bürgernah über die jeweils passende Struktur der Wasserver- und Abwasserentsorgung entschieden wird. Dies unterstreicht die Bedeutung der kommunalen Daseinsvorsorge und stärkt die Handlungsfähigkeit vor Ort.

Kritisch bewertet der VKU hingegen die Verzögerung bei der Einführung der erweiterten Herstellerverantwortung. Die geplante zusätzliche Kosten- und Folgenabschätzung gefährde die längst überfällige Beteiligung von Pharma- und Kosmetikherstellern an den stetig steigenden Kosten der Abwasserreinigung.

„Pharma und Kosmetikindustrie verursachen mit ihren Produkten steigende Kosten, weil ihre Rückstände nur durch den Ausbau der vierten Reinigungsstufe in Kläranlagen aus dem Abwasser entfernt werden können. Diese Kosten dürfen nicht bei Bürgern und Mittelstand abgeladen werden. Die EU sollte daher an der verursachergerechten Kostenbeteiligung festhalten“, fordert VKU-Vizepräsident Karsten Specht.

Laut VKU zeigt die Strategie insgesamt, dass die EU die Herausforderungen im Wassersektor ernst nimmt – von der Reduktion umweltschädlicher Stoffe bis hin zur Förderung der Wasserwiederverwendung.

DVGW: Resiliente Infrastruktur erfordert Vorsorge, Innovation und Sicherheit

Dr. Wolf Merkel, Vorstand Wasser des DVGW Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e.V., betont: „Mit der Wasserresilienz-Strategie schafft die Kommission ein Novum und bündelt erstmals alle wasserrelevanten Themen vom Wasserkreislauf bis zur Wasserversorgung in einem High-Level-Dossier. Die Thematik Wasserresilienz bekommt nun eine angemessene Stimme auf der politischen Agenda. Damit setzt die Kommission ein wichtiges Signal und zeigt ihre politische Verpflichtung beim Thema Wasser. Jetzt gilt es, die ambitionierten Ankündigungen auch durchzusetzen.”

Der DVGW wird die Umsetzung der europäischen Wasserresilienz-Strategie aktiv begleiten und mitgestalten – insbesondere im Rahmen seiner Mitwirkung im europäischen Dachverband EurEau, der die Interessen der Wasserversorgungs- und Abwasserunternehmen auf EU-Ebene vertritt. Dabei bringt der DVGW die Inhalte seiner strategischen Roadmap 2030 ein, die konkrete Maßnahmen und praxisnahe Handlungsempfehlungen für die deutsche Wasserwirtschaft formuliert.

Kern der Roadmap ist ein ganzheitlicher Blick auf den Wasserkreislauf – von der Vorsorge bei Trockenheit und Hitze bis hin zum Schutz vor Überflutungen durch Starkregen. Auf dieser Grundlage wurden sechs zentrale Handlungsfelder definiert. Sie reichen vom Schutz natürlicher Wasserressourcen über den Ausbau resilienter Infrastrukturen und eine klimaneutrale, ressourcenschonende Wasserwirtschaft bis hin zur Förderung einer wasserbewussten Gesellschaft.


Fazit:
Die drei Verbände fordern die EU auf, bei der Ausgestaltung der Strategie stärker auf die praktische Umsetzbarkeit und die bestehenden nationalen Versorgungsstrukturen einzugehen. Eine gemeinsame europäische Wasserresilienz braucht laut BDEW, VKU und DVGW nicht nur Visionen, sondern vor allem klare Instrumente, realistische Finanzierungswege und einen engen Austausch mit den betroffenen Akteuren vor Ort.

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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