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Die EU-Wasserpolitik braucht einen Neustart

Die neue Wasserresilienzstrategie der EU ist ein wichtiger Schritt – doch laut WBGU braucht es mehr: ein neues Leitbild, das Unsicherheit einkalkuliert, grenzüberschreitend wirkt und technologische Innovationen wie KI für Starkregenmanagement einbindet.

von | 10.07.25

Quelle: AdobeStock/Tide

Mit der am 4. Juni 2025 veröffentlichten EU-Wasserresilienzstrategie bekennt sich die EU-Kommission erstmals explizit dazu, die Wasserversorgung und Gewässerqualität stärker gegen die Folgen des Klimawandels zu wappnen. Angesichts von Dürren, Starkregen und sinkender Grundwasserspiegel ist dieser Schritt überfällig: Schon heute sind 30 % der EU-Bevölkerung von Wasserknappheit betroffen, Tendenz steigend.

Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) begrüßt die Strategie – sieht aber erheblichen Nachbesserungsbedarf. In seinem neuen Politikpapier „EU-Wasserpolitik im Aufbruch: Die EU-Wasserresilienz-
strategie als Chance nutzen“ fordert der Beirat ein umfassendes Leitbild für ein klimaresilientes Wassermanagement, das über die bisherige Zielrichtung hinausgeht.

Starkregen, KI und der Verlust der Stationarität

Die Grundannahme vieler wasserwirtschaftlicher Planungen – dass sich hydrologische Parameter wie Niederschläge in historischen Bandbreiten bewegen – gilt nicht mehr. Die Fachwelt spricht vom „Ende der Stationarität“. Extreme Wetterlagen wie Starkregen treten häufiger und intensiver auf. Das macht langfristige Planung schwierig – und erhöht den Bedarf an präzisen Frühwarnsystemen.

Hier setzt Künstliche Intelligenz (KI) an: Neue Modelle wie SpateGAN-ERA5 können regionale Starkregenrisiken auf Basis globaler Wetterdaten hochaufgelöst vorhersagen. Solche Tools liefern genau die Resilienzinformationen, die in der Wasserwirtschaft bislang oft fehlen. Der WBGU spricht sich deshalb ausdrücklich für die Integration digitaler Technologien in ein klimaresilientes Wassermanagement aus.

Grüne Wasserwende: Warum Böden und Landnutzung zentral werden

Ein zentrales Konzept im Politikpapier ist das sogenannte „grüne Wasser“ – also die im Boden gespeicherte Feuchtigkeit, die Pflanzen zur Verfügung steht. Es ist entscheidend für die Pufferfunktion von Landschaften und die Resilienz gegenüber Dürren und Überschwemmungen. Der WBGU fordert, grünes Wasser als Schutzgut im EU-Wasserrecht zu verankern – vergleichbar mit Oberflächen- und Grundwasser.

Darüber hinaus sollten Landwirt:innen als Grünwasserwirt:innen anerkannt und gefördert werden. Maßnahmen wie Entsiegelung, Moorschutz und wassersensible Stadtentwicklung sind dabei keine Nischenlösungen, sondern laut WBGU essenziell für die Resilienz ganzer Regionen.

Fazit: Wasserresilienz braucht mehr als politische Absichtserklärungen

Die EU-Wasserresilienzstrategie setzt die richtigen Impulse – doch ohne verbindliche Umsetzung, sektorübergreifende Integration und ausreichend finanzielle Mittel bleibt sie Stückwerk. Der WBGU liefert mit seinem Papier einen konkretisierbaren Rahmen für eine zukunftsfähige Wasserpolitik, der praxisnah, wissenschaftlich fundiert und sozial ausgewogen ist.

Was jetzt zählt:

  • Das Leitbild des klimaresilienten Wassermanagements europaweit verankern

  • Grünes Wasser als politisches Schutzgut behandeln

  • KI-gestützte Frühwarnsysteme in die wasserwirtschaftliche Praxis integrieren

  • Starkregen und Dürre als zwei Seiten derselben Herausforderung begreifen

Die Wasserwirtschaft ist im Wandel – aber der Wandel braucht Richtung. Der WBGU liefert dafür den Kompass.

Zum Politikpapier

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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