Filter by Themen
Filter by Kategorien
Filter by Veranstaltungsschlagworte
FS Logoi

EU-Kommunalabwasserrichtlinie: gefährdet die erweiterte Herstellerverantwortung die Arzneimittelverfügbarkeit?

In der neuen EU-Kommunalabwasserrichtlinie (KARL) stehen erstmalig Pharma- und Kosmetikhersteller in der Pflicht, einen großen Teil der Kosten für den Bau und den Betrieb der so genannten 4. Reinigungsstufen auf Kläranlagen zu tragen. Dagegen haben mehrere Pharmaunternehmen und Pharma Deutschland geklagt und gedroht, bestimmte Medikamente vom Markt zu nehmen. Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) befürchtet eine Versorgungskrise für Patientinnen und Patienten.

von | 10.06.25

Metformin gehört zu den "Essential Drugs" gemäß WHO.
Dzmitry /AdobeStock

Die erweiterte Herstellerverantwortung gemäß KARL bedeutet, dass Hersteller von Arzneimitteln und Kosmetika mindestens 80 % der Bau- und Betriebskosten für die 4. Reinigungsstufen auf Kläranlagen zu tragen haben. Wie die DEGAM mitteilte, drohen Arzneimittelhersteller damit, verschiedene Medikamente vom Markt zu nehmen, weil sie unter diesen Bedingungen nicht mehr wirtschaftlich hergestellt werden könnten. Betroffen wären insbesondere Metformin, das Antibiotikum Amoxicillin und das Brustkrebsmedikament Tamoxifen.

Leitliniengerechte Versorgung in Gefahr

„Wenn die Pharmahersteller ihre Drohung wahrmachen, wird es zu einer echten Versorgungskrise kommen. Die betreffenden Arzneimittel gehören zu den von der WHO definierten ‚Essential Drugs‘, ohne die eine leitliniengerechte Therapie in Zukunft nicht mehr möglich wäre“, warnt Prof. Martin Scherer, Präsident der DEGAM. „Als wissenschaftliche Fachgesellschaft ist es unsere Aufgabe, auf die absehbare Verschlechterung in der medizinischen Versorgung hinzuweisen und alle Beteiligten aufzufordern, hier sinnvolle Lösungen zu entwickeln. Die beiden Rechtsgüter ‚Gewässerschutz‘ und ‚Verfügbarkeit von Arzneimitteln‘ dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.“

Die sich durch KARL ergebende Kostenbelastung trifft insbesondere Generika-Hersteller, da deren Preise reguliert sind und die zusätzlichen Kosten nicht weitergegeben werden können. Dazu gehört beispielsweise Metformin, ein Medikament zur Behandlung von Typ 2-Diabetes.

„Wir weisen in aller Deutlichkeit darauf hin, dass ein Wegfall von Metformin nicht nur eine Kostensteigerung zur Folge hätte, sondern auch die Qualität der medizinischen Versorgung verschlechtert. Die Nebenwirkungen können stärker ausfallen, auch die Therapietreue wird sinken, wenn nur noch Medikamente, die gespritzt werden müssen, verfügbar sind“, kommentiert Dr. Günther Egidi, Präsidiumsmitglied der DEGAM.

Gesundheits- und Umweltschutz ausbalancieren

Die DEGAM sieht die Gesundheitspolitiker:innen in die Pflicht, wenn es darum geht, die negativen Auswirkungen für Patient:innen zu verhindern, ohne den Umweltschutz aus den Augen zu verlieren.

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Jetzt Newsletter abonnieren

Stoff für Ihr Wissen, jede Woche in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

Neue StoryMap zeigt Forschungsergebnisse und Methoden im Ahrtal
Neue StoryMap zeigt Forschungsergebnisse und Methoden im Ahrtal

Das Forschungsprojekt MonAHR hat eine interaktive ArcGIS StoryMap veröffentlicht, die einen Einblick in die wissenschaftliche Begleitung der Gewässerwiederherstellung an der Ahr nach der Flutkatastrophe 2021 bietet. Die Plattform erläutert Forschungsziele, Methoden und Messverfahren und macht Entwicklungen im Ahrtal mithilfe interaktiver Karten anschaulich nachvollziehbar. Luftbildvergleiche zeigen Veränderungen vor und nach der Flut, während Bilder und Texte die Datenerhebung vor Ort veranschaulichen. Künftig sollen über die StoryMap auch aktuelle Forschungsergebnisse veröffentlicht werden.

mehr lesen
Rettungsplan für Europas Seegraswiesen
Rettungsplan für Europas Seegraswiesen

Seegras klingt unscheinbar, ist aber Klimaschützer, Kinderstube und Küstenschutz in einem. Mehr als 50 Wissenschaftler:innen aus 17 europäischen Ländern haben daher erstmals gemeinsame Empfehlungen zum Schutz und zur Wiederherstellung von Seegraswiesen vorgelegt. Die „European Seagrass Recommendations 2026“ enthalten acht konkrete Handlungsempfehlungen und sollen helfen, den Verlust dieser wichtigen Lebensräume zu stoppen.

mehr lesen
Geschlossene Fischzuchtanlagen aus Kunststoff für den Offshore-Einsatz
Geschlossene Fischzuchtanlagen aus Kunststoff für den Offshore-Einsatz

Geschlossene Aquakulturanlagen sollen eine kontrollierte Fischproduktion unter anspruchsvollen Offshore-Bedingungen ermöglichen. Für zwei FishGlobe-Anlagen in Norwegen lieferte AGRU tragende Kunststoffhalbzeuge und Rohrleitungssysteme aus PE 100-RC. Das geschlossene Containment-System reduziert Umwelteinflüsse und erleichtert den Betrieb der Anlagen.

mehr lesen
Flohkrebse zeigen überraschende Artenvielfalt im Atlantik
Flohkrebse zeigen überraschende Artenvielfalt im Atlantik

Eine genetische Untersuchung von Flohkrebsen in einem neu ausgewiesenen Meeresschutzgebiet im Nordostatlantik hat eine überraschend hohe Artenvielfalt am Meeresboden offenbart. Bereits eine einzelne Probenahme ergab 47 genetisch unterscheidbare Arten, Hochrechnungen deuten auf mehr als 120 Arten hin. Viele davon sind bislang wissenschaftlich unbekannt. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung weiterer Forschung für den Schutz der Tiefsee und ihrer Ökosysteme.

mehr lesen
Wenn ein Staudamm zur Gefahr wird
Wenn ein Staudamm zur Gefahr wird

Der Enguri-Staudamm in Georgien zählt mit einer Höhe von 271 Metern zu den größten Bogenstaumauern der Welt und ist eine der wichtigsten Energieinfrastrukturen des Landes. Rund die Hälfte der georgischen Stromversorgung hängt von der Anlage ab. Gleichzeitig befindet sich der Staudamm in einer tektonisch aktiven Region des Kaukasus und steht damit unter besonderer Beobachtung von Wissenschaftler:innen und Ingenieur:innen.

mehr lesen

Passende Firmen zum Thema:

Sie möchten die gwf Wasser + Abwasser testen

Bestellen Sie Ihr kostenloses Probeheft

Überzeugen Sie sich selbst: Gerne senden wir Ihnen die gwf Wasser + Abwasser kostenlos und unverbindlich zur Probe!

Finance Illustration 03
Datenschutz
gwf-wasser.de, Inhaber: Vulkan-Verlag GmbH (Firmensitz: Deutschland), würde gerne mit externen Diensten personenbezogene Daten verarbeiten. Dies ist für die Nutzung der Website nicht notwendig, ermöglicht aber eine noch engere Interaktion mit Ihnen. Falls gewünscht, treffen Sie bitte eine Auswahl:
Datenschutz
gwf-wasser.de, Inhaber: Vulkan-Verlag GmbH (Firmensitz: Deutschland), würde gerne mit externen Diensten personenbezogene Daten verarbeiten. Dies ist für die Nutzung der Website nicht notwendig, ermöglicht aber eine noch engere Interaktion mit Ihnen. Falls gewünscht, treffen Sie bitte eine Auswahl: