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Energieinnovation an der Ruhr

Positive Bilanz nach großem Umbau: Mit einem kompletten Umbau ihres Energiemanagements machen die Wasserwerke Westfalen (WWW) einen großen Schritt Richtung Energieautarkie und erhöhen signifikant den Anteil an Grünstrom.

von | 13.01.26

Die Freiflächen PV-Anlage des Wasserwerks Echthausen (Wasserwerke Westfalen), 2022 in Betrieb genommen. (Quelle: Wasserwerke Westfalen (WWW))

Mit KI-Einsatz, PV-Ausbau, Power-Purchase-Agreements (PPA) und einer flexiblen Fahrweise werden seit Januar 2026 alle fünf Werke der WWW mit einem Fördervolumen von über 100 Mio. m³ Trinkwasser wirtschaftlich und ökologisch optimiert betrieben.

Im Jahr 2019 begann WWW das Energiemanagement strategisch komplett neu auszurichten. Bis dahin wurde eigener Wasserkraftstrom aus fünf Laufwasserkraftwerken nach EEG eingespeist, der Strombedarf über etablierte Bezugsverträge gedeckt und die Tagesproduktion erfolgte klassisch ohne Einbeziehung der Strommärkte. Ab 2020 wurden alle sinnvoll nutzbaren Dachflächen mit PV-Anlagen zur Eigenstromnutzung ausgerüstet. Die erste eigene Freiflächen-PV-Anlage ging in 2022 im Werk Echthausen in der Wasserschutzzone II in Betrieb. Hier erfolgte ein optimales Zusammenspiel aller Beteiligten im Genehmigungsprozess. Leider sind die Genehmigungsschritte an anderen Standorten für Freiflächenanlagen nach mehrjähriger Dauer nicht abgeschlossen. Hierzu der Sprecher der Geschäftsführung Bernd Heinz:

„Wir erleben bei konkreten Projekten trotz der politischen Ziele des PV-Ausbaus Mikromanagement plus Entscheidungsunsicherheit von einigen Behörden und kommen nicht in die Umsetzung. Dies ist frustrierend.“

Mit der neuen zuletzt fertiggestellten Dachflächenanlage in Halingen werden in Kürze Anlagen mit über 2.500 kWP betrieben. Das gesetzte Ziel liegt allerdings bei über 4.000 kWP.

Optimierung mit KI-Management

Positiver entwickelt sich das KI-gestützte Energiemanagement. Nach Ersteinführung in Echthausen in 2022 wurde es schrittweise in allen Werken etabliert, zuletzt im Netzverbund der Schwerter Werke Westhofen und Hengsen mit mehreren Hochbehältern. Das System AsWa (Assistenzsystem Wasserwerke) von Gelsenwasser wurde kontinuierlich weiterentwickelt und auf die jeweiligen Standorte angepasst. Es optimiert u. a. Absatzprognosen, Stromeigenerzeugung und PPA-Anlagen, Pumpeneffizienz, Netzentgelte, Hochbehälter und die kurzfristigen Strombörsen für eine optimale Tagesproduktion.
Aktuell wird der erste Stromspeicher integriert. Basis ist ein Sub-Bilanzkreis im Strommanagement über alle Werke und Stromnetzbetreiber. AsWa nutzt die Hochbehälter als Wasser- und indirekte Stromspeicher, fährt nach der Strombörse und dem erneuerbaren Dargebot ohne die Versorgungssicherheit und -qualität zu mindern.

Bernd Heinz: „Bei viel und günstiger erneuerbarer Energie fährt die Produktion untertägig hoch, bei Hochpreisstunden runter, ganz im Sinne der Energiewende.“

Die Geschäftsführungskollegin Friederike Konold-Rüsel ergänzt: „Das System hat sich bereits amortisiert und senkt die Stromkosten deutlich gegenüber klassischen Bezugsverträgen.“

Auch das Risiko mit Prognoseabweichungen im Sub-Bilanzkreis umzugehen, hat sich durch flexible Produktionsanpassungen und gestiegene Prognosequalität als gering erwiesen. WWW ist mittlerweile größter AsWa-Kunde und hat als Entwicklungspartner viele praktische Verbesserungen angestoßen, getestet und eingeführt.

Augenmerk auf grünen Strom

Quelle: Wasserwerke Westfalen (WWW)

Neben eigener Wasserkraft- und PV-Produktion erfolgt seit 1. Januar ein vergrößerter Grünstrombezug. Nach einem Pilot-PPA mit rd. 0,6 GWh/a seit 2023 bezieht WWW nun aus drei zusätzlichen Windkraftanlagen Strom über weitere 3 GWh/a.

„Damit kommen nennenswerte Mengen volatilen Windstroms in unser Stromportfolio. Der PPA-Markt steckt für mittelständische Unternehmen noch in der Anfangsphase, aber wir beabsichtigen für 2027 weitere PPA abzuschließen und den Graustromzukauf weiter zu reduzieren“, so Bernd Heinz zu dieser Entwicklung.

Da Strom über 94 % des Energieeinsatzes bei WWW ausmacht, wird der CO2-Fußabdruck nachhaltig gesenkt. Strategie und Umsetzung nehmen in regelmäßigen Energie- und Umweltaudits (EMAS) mittlerweile einen festen Platz ein und werden sehr positiv bewertet.
Ein breites regeneratives Stromportfolio aus Eigenerzeugung und Zukauf, gepaart mit innovativer Technologie und Flexibilität, bietet beste Voraussetzungen für die Zukunft. So werden absehbar dynamische Netzentgelte, Kapazitätsmärkte, Preisschwankungen und externe Einflüsse ein resilientes und anpassungsfähiges Strommanagement erfordern – WWW ist darauf vorbereitet!


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