Emscher-Gebiet. Hochwasserschutz, Klimafolgenanpassung und die ökologische Verbesserung der Gewässer gehören weiterhin zu den zentralen Aufgaben der Emschergenossenschaft. Bei einer Sitzung des Genossenschaftsrates in der Bochumer EBZ Business School informierte der Wasserwirtschaftsverband über den aktuellen Stand verschiedener Projekte in der Region. Insgesamt plant die Emschergenossenschaft jährliche Investitionen von rund 300 Millionen Euro.
„Ein wirksamer Hochwasserschutz ist für unsere Region von zentraler Bedeutung – er schützt Menschen, Infrastruktur und damit auch die Lebensqualität in der gesamten Region. Gerade in einer dicht besiedelten Industrieregion wie dem Emscher-Gebiet sind vorausschauende Maßnahmen dringend geboten, um ein hohes Maß an Sicherheit zu gewährleisten. Mit Blick auf die zunehmenden Extremwetterereignisse gewinnen Investitionen in den Hochwasserschutz und in die ökologische Verbesserung der Gewässer zusätzlich an Bedeutung“, sagt Dr. Frank Dudda, Vorsitzender des Genossenschaftsrates der Emschergenossenschaft und Oberbürgermeister der Stadt Herne.
Der Genossenschaftsrat der Emschergenossenschaft ist das Aufsichtsgremium des Wasserwirtschaftsverbandes. Die Mitglieder werden alle fünf Jahre demokratisch gewählt. Das Gremium setzt sich aus Vertreterinnen und Vertretern der Mitgliedskommunen sowie weiterer institutioneller Mitglieder zusammen.
Deichertüchtigung entlang der Emscher
Mit dem Deichertüchtigungsprogramm hat die Emschergenossenschaft nach dem Emscher-Umbau ein weiteres langfristig angelegtes Infrastrukturprojekt gestartet. In Oberhausen-Eisenheim erfolgte in diesem Frühjahr der Baustart des ersten Bauabschnitts. Dieser gilt als Pilotprojekt für weitere Maßnahmen entlang der Emscher.
Auf Höhe des Gasometers wird der Deich derzeit auf einer Länge von 300 Metern saniert, um die Anlage langfristig widerstandsfähiger zu machen. Hintergrund der Maßnahmen sind unter anderem das zunehmende Alter der Emscher-Deiche sowie häufiger auftretende Extremwetterereignisse. Die Emschergenossenschaft berücksichtigt dabei einen Klimawandelfolgenzuschlag von 20 Zentimetern bei der Erhöhung der Anlagen. Die Arbeiten in Oberhausen-Eisenheim sollen voraussichtlich Ende 2027 abgeschlossen werden. Das Gesamtprojekt ist Teil der „Roadmap Krisenhochwasser“, mit der die Emschergenossenschaft und der Lippeverband den Hochwasserschutz in der Region weiter ausbauen wollen.
Renaturierung des Hörder Bachs
Auch die ökologische Verbesserung des Hörder Bachs in Dortmund-Hörde wird aktuell weiter vorangetrieben. Gemeinsam mit der Stadt Dortmund arbeitet die Emschergenossenschaft an der Umgestaltung des letzten rund 600 Meter langen Abschnitts. Dabei werden Betonsohlschalen zurückgebaut und naturnahe Uferbereiche geschaffen.
Neben dem Hörder Bach wird auch ein Abschnitt des städtischen Marksbachs in die Maßnahmen einbezogen. Beide Gewässer werden dadurch an das bereits renaturierte Emscher-System angebunden. Für die blaugrüne Bachrevitalisierung investieren die Emschergenossenschaft und die Stadt Dortmund insgesamt rund 850.000 Euro. 70 Prozent der Kosten übernimmt die Emschergenossenschaft, 30 Prozent entfallen auf die Stadt Dortmund. Zusätzlich werden Fördermittel des Landes Nordrhein-Westfalen im Rahmen der Förderrichtlinie „Hochwasserrisikomanagement und Wasserrahmenrichtlinie“ eingesetzt. Die Emschergenossenschaft erhält dabei eine Förderung von 70 Prozent ihres Anteils, die Stadt Dortmund eine Förderung von 80 Prozent.
Arbeiten an der Aspelflötte in Bottrop
In Bottrop laufen parallel die Arbeiten zur ökologischen Verbesserung der Aspelflötte. Das Projekt ist Teil des interkommunalen Stadtentwicklungsprojektes „Freiheit Emscher“. Auf einer Länge von rund 930 Metern werden bestehende Betonsohlschalen entfernt und das Gewässer naturnah umgestaltet. Zusätzlich wird die Aspelflötte auf weiteren rund 1265 Metern komplett neu angelegt und modelliert.
Insgesamt investiert die Emschergenossenschaft 24,1 Millionen Euro in das Vorhaben. Rund 16,3 Millionen Euro stammen aus Fördermitteln des Just Transition Fonds (JTF) des Landes Nordrhein-Westfalen und der Europäischen Union. Die Stadt Bottrop sowie die RAG beteiligen sich jeweils mit rund 2,7 Millionen Euro, die Emschergenossenschaft übernimmt rund 2,4 Millionen Euro. Die Emschergenossenschaft wurde am 14. Dezember 1899 gegründet und ist gemeinsam mit dem 1926 gegründeten Lippeverband heute Deutschlands größter Betreiber von Kläranlagen und Pumpwerken. Zu den Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Unternehmens zählen die Abwasserentsorgung, der Hochwasserschutz sowie Maßnahmen zur Klimafolgenanpassung.
Bekanntestes Projekt war der Emscher-Umbau, der zwischen 1992 und 2021 umgesetzt wurde. Dabei entstanden 436 Kilometer neue unterirdische Abwasserkanäle und vier Großkläranlagen. Insgesamt werden rund 340 Kilometer Gewässer renaturiert. Darüber hinaus entstanden gemeinsam mit kommunalen Partnern mehr als 360 Kilometer Rad- und Fußwege entlang der Emscher und ihrer Nebenläufe.
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Quelle:EGLV









