„Herr Willmitzer, wenn Sie heute auf den Betrieb einer Trinkwassertalsperre schauen: Was ist anders als noch vor 20 Jahren?“
Hartmut Willmitzer: „Vor allem eines: Der Klimawandel ist keine Zukunftsprognose mehr, sondern Teil unseres Alltags. Wir erleben häufiger lang anhaltende Trockenperioden, gleichzeitig nehmen Starkregenereignisse zu. Beides beeinflusst den Betrieb von Trinkwassertalsperren erheblich – sowohl hinsichtlich der verfügbaren Wassermengen als auch der Rohwasserqualität. Viele Bewirtschaftungsstrategien stammen aus einer Zeit mit vergleichsweise stabilen hydrologischen Verhältnissen. Heute müssen wir deutlich flexibler reagieren.“

Dipl.-Biol. Hartmut Willmitzer ist Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Trinkwassertalsperren e. V. (ATT) und Fachberater Umwelt und Technologie bei der Thüringer Fernwasserversorgung. Als Vorsitzender des ATT-Fachausschusses und Autor zahlreicher Fachpublikationen beschäftigt er sich seit vielen Jahren mit der Bewirtschaftung von Trinkwassertalsperren, Gewässerökologie und den Folgen des Klimawandels für die öffentliche Wasserversorgung
„Was bedeutet das konkret?“
„Trinkwassertalsperren erfüllen mehrere Aufgaben gleichzeitig. Sie dienen nicht nur der Trinkwasserversorgung, sondern auch dem Hochwasserschutz, der Niedrigwasseraufhöhung oder teilweise der Energieerzeugung. Künftig wird es deshalb noch wichtiger sein, bereits im Vorfeld festzulegen, welche Nutzung in einer Mangelsituation Vorrang hat. Für mich ist klar: Wenn Wasser knapp wird, muss die Trinkwasserversorgung oberste Priorität besitzen. Solche Entscheidungen sollten allerdings nicht erst während einer Krise getroffen werden. Wir brauchen klare Schwellenwerte und abgestimmte Handlungspläne.“
„Häufig wird in diesem Kontext über neue Speicher oder zusätzliche Infrastruktur diskutiert. Reicht das aus?“
„Nein. Technische Lösungen werden zwar weiterhin notwendig sein, können das Problem aber nicht allein lösen. Mindestens genauso wichtig ist es, Wasser möglichst lange im Einzugsgebiet zurückzuhalten. Das beginnt bei einem klimaangepassten Waldumbau und reicht bis hin zu Maßnahmen, die den natürlichen Wasserrückhalt in der Landschaft verbessern. Jede Maßnahme, die dort wirkt, entlastet später die Talsperren.“
„Wälder spielen für die Trinkwasserversorgung eine zentrale Rolle. Wird ihre Bedeutung noch unterschätzt?“
„Ja, davon bin ich überzeugt. Viele verbinden Trinkwasserversorgung in erster Linie mit Talsperren oder Wasserwerken. Tatsächlich beginnt sie aber im Einzugsgebiet. Intakte Mischwälder speichern Wasser, schützen Böden vor Erosion und reduzieren Stoffeinträge. Damit übernehmen solche Wälder Funktionen, die sich technisch nur mit erheblichem Aufwand ersetzen lassen.“…
Lesen Sie das komplette Interview in der gwf Wasser/Abwasser 7/8 2026
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