Filter by Themen
Filter by Kategorien
Filter by Veranstaltungsschlagworte
FS Logoi

Vierte Reinigungsstufe: Aktiv gegen Spurenstoffe im Abwasser

Dass Medikamentenrückstände und andere organische Spurenstoffe im Abwasser nichts zu suchen haben – darüber sind sich die Fachleute seit langem einig. Gut ausgebaute Kläranlagen können die Spurenstoffe bis heute nicht restlos aus dem Abwasser entfernen. Als bundesweiter Vorreiter im Einsatz gegen Spurenstoffe gilt das Land Baden-Württemberg.

von | 31.03.16

Kläranlage Böblingen-Sindelfingen. Bild: KomS

„So wichtig das Thema für Mensch und Umwelt auch ist – im Bewusstsein der Öffentlichkeit ist es längst noch nicht verankert“, so Dr. Steffen Metzger, Leiter des Kompetenzzentrums Spurenstoffe Baden-Württemberg (KomS) in Stuttgart. Dabei seien es gerade die Verbraucher, die mit einer sachgemäßen Entsorgung entscheidend dazu beitragen könnten, den Eintrag der Rückstände ins Abwasser deutlich zu reduzieren. Das vom Land Baden-Württemberg geförderte KomS setzt deshalb sowohl auf den Ausbau von Kläranlagen und innovativen Reinigungstechnologien sowie deren Weiterentwicklung als auch auf Aufklärung und Sensibilisierung der Bevölkerung.

Arzneimittel gehören nicht in die Toilette

Abgelaufene oder nicht genutzte Medikamente werden noch immer viel zu häufig einfach über die Toilette oder das Waschbecken entsorgt. Die Folgen: Die Wirkstoffe gelangen über den Abfluss ins Abwasser und werden – trotz Klärprozess – an die Umwelt abgegeben. Nachweisbar sind die Spurenstoffe im Abwasser meist in nur extrem geringen Konzentrationen, ein Risiko für die menschliche Gesundheit besteht nach jetzigem Forschungsstand nicht.
Allerdings werden die synthetischen Rückstände in unseren Ökosystemen nur sehr langsam oder sogar überhaupt nicht abgebaut. Welche toxischen Wirkungen sich aus den Verbindungen verschiedener Substanzen ergeben ist nicht absehbar. „Dass die Spurenstoffe Auswirkungen auf im Wasser lebende Organismen haben können, ist heute bereits wissenschaftlich belegt“, sagt Dr. Steffen Metzger. 
Versuche mit Fischen hätten gezeigt, dass schon durch geringe Konzentrationen einzelner Stoffe Veränderungen im Organismus dieser Lebewesen hervorgerufen werden können. „Arzneimittel gehören nicht ins Abwasser, sondern in den Restmüll“, so der Experte. „Der wird heute in fast jeder Kommune verbrannt und ist damit ein sicherer Entsorgungsweg.“ 

Die vierte Reinigungsstufe: Spurenstoffelimination im Klärwerk

Als bundesweiter Vorreiter im Einsatz gegen Spurenstoffe gilt das Land Baden-Württemberg: 2003 ging im Ulmer Klärwerk ein Forschungsprojekt zur Entwicklung einer Verfahrenstechnik zur Spurenstoffelimination an den Start. Dabei wurde dem Abwasser in einer vierten Reinigungsstufe Aktivkohle zugeführt und nach deren Anreicherung mit Spurenstoffen zusammen mit dem Klärschlamm wieder entnommen.
Das Verfahren hat sich bewährt: Inzwischen sind in Baden-Württemberg bereits zehn kommunale Kläranlagen mit einer zusätzlichen vierten Reinigungsstufe in Betrieb, 4 weitere Anlagen sind im Bau und 3 in Planung. „Die stetig steigenden Anforderungen an den Betrieb und die Technik der Kläranlagen sind mit einem hohen finanziellen Aufwand der Kommunen verbunden“, sagt Dr. Steffen Metzger. Und nicht nur das: Auch gut geschultes Personal werde immer wichtiger und zunehmend gebraucht.

Interessante Aufgabenfelder für Azubis und junge Fachkräfte

Auszubildenden, jungen Fachkräften und Hochschulabsolventen bieten die breit gefächerten Aufgabenfelder rund um die Kläranlagentechnologien zahlreiche interessante Herausforderungen. „Junge Leute finden bei uns viele spannende Ausbildungsberufe“, sagt Dr. Steffen Metzger. „Und auch auf Berufseinsteiger und Absolventen der Hochschulen warten höchst anspruchsvolle Aufgaben und ideale Möglichkeiten, sich fachlich weiterzuentwickeln. Wir freuen uns über jeden, der uns im bei der komplexen Aufgabenstellung Spurenstoffe in der aquatischen Umwelt unterstützt.“ Weitere Informationen stehen unter www.koms-bw.de zur Verfügung. (mks)

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Jetzt Newsletter abonnieren

Stoff für Ihr Wissen, jede Woche in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

Mehr Daten, mehr Risiko? Der Umgang mit sensiblen Infrastrukturinformationen
Mehr Daten, mehr Risiko? Der Umgang mit sensiblen Infrastrukturinformationen

Wie viel Transparenz ist bei kritischen Infrastrukturen noch verantwortbar? Angesichts neuer technologischer Möglichkeiten wächst die Herausforderung, öffentlich zugängliche Informationen vor Missbrauch zu schützen. Der BDEW plädiert deshalb für ein Umdenken: Bestehende Regelungen sollen überprüft und so weiterentwickelt werden, dass sie sowohl Informationsansprüche als auch Sicherheitsanforderungen gleichermaßen berücksichtigen.

mehr lesen
Wege zu bezahlbarem Wasser in Megastädten
Wege zu bezahlbarem Wasser in Megastädten

Bis 2050 wird fast die Hälfte der städtischen Bevölkerung weltweit mit Wasserknappheit konfrontiert sein. Eine internationale Studie zeigt am Beispiel der indischen Millionenstadt Pune, dass besonders arme Haushalte während mehrjähriger Dürren bei der Wasserversorgung stark benachteiligt sind – trotz zahlreicher Verbesserungsmaßnahmen.

mehr lesen
Fraunhofer IEG und Wuppertaler Stadtwerke starten Machbarkeitsstudie zu Geothermie
Fraunhofer IEG und Wuppertaler Stadtwerke starten Machbarkeitsstudie zu Geothermie

Die Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geotechnologien IEG und die Wuppertaler Stadtwerke (WSW) setzen die Zusammenarbeit bei der geowissenschaftlichen Erkundung der tiefen Geothermie in Wuppertal fort. Ziel ist eine fundierte Machbarkeitsstudie für die Nutzung von Wärme aus mehreren tausend Metern Tiefe. Denn Erdwärme kann eine klimafreundliche und zukunftssichere Energiequelle für die städtische Wärmeversorgung darstellen.

mehr lesen
FlashPhos: Phosphor für die Industrie gewinnen
FlashPhos: Phosphor für die Industrie gewinnen

Abfall aus Kläranlagen entsorgen und gleichzeitig weißen Phosphor gewinnen: Wie das funktioniert, zeigt das neue thermochemische Verfahren FlashPhos. Es ist derzeit die einzige Technologie in Europa, die es ermöglicht, diesen wichtigen Rohstoff umweltfreundlich, effizient und kostengünstig für industrielle Anwendungen herzustellen. Ein europaweites Konsortium hat unter Koordination der Universität Stuttgart die FlashPhos-Technologie erforscht und entwickelt.

mehr lesen
Die unbekannte Insel in der Antarktis
Die unbekannte Insel in der Antarktis

Ein 93-köpfiges internationales Expeditionsteam erforscht seit Februar an Bord des Eisbrechers Polarstern des Alfred-Wegener-Instituts das nordwestliche Weddellmeer in der Antarktis. In dieser Schlüsselregion für globale Meeresströmungen standen der Ausstrom von Eis und Wasser aus dem Larsen-Schelfeis-Gebiet sowie der erstaunliche Meereisrückgang der letzten Jahre im Fokus. Als wegen der rauen Wetterbedingungen die Forschungsarbeiten unterbrochen werden mussten, um im Windschatten von Joinville Island Schutz zu suchen, wurden Wissenschaft und Schiffscrew von dem plötzlichen Auftauchen einer Insel überrascht, die zuvor auf den vorhandenen Seekarten lediglich als Gefahrenzone verzeichnet war.

mehr lesen

Passende Firmen zum Thema:

Ingenieurbüro Alwin Eppler GmbH & Co. KG

Thema: Wasseraufbereitung

Ihr vertrauensvoller Partner für innovative Trinkwasserversorgung und Abwasserbehandlung – seit über 70 Jahren Expertise in Planung und Umsetzung maßgeschneiderter

Hermann Sewerin GmbH

Thema: Netze

Technologien für die

Pipetronics GmbH & Co. KG

Thema: Netze

Niederlassung Rhein-Ruhr Produktbereich: Rohrinnendichtsysteme

Sie möchten die gwf Wasser + Abwasser testen

Bestellen Sie Ihr kostenloses Probeheft

Überzeugen Sie sich selbst: Gerne senden wir Ihnen die gwf Wasser + Abwasser kostenlos und unverbindlich zur Probe!

Finance Illustration 03