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Odertalsperre nach mehrjähriger Sanierung nun wieder in Betrieb genommen

Acht Jahre lang haben die Harzwasserwerke die Odertalsperre bei Bad Lauterberg generalsaniert. Rund 23 Millionen Euro hat das Unternehmen dabei in die Nachhaltigkeit der Anlage und einen verbesserten Hochwasserschutz investiert.

von | 27.04.19

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Harzwasserwerke, Dr. Gerd Rappenecker (links), und der Technische Geschäftsführer, Dr. Christoph Donner (rechts), freuen sich über die generalsanierte Odertalsperre und das dazugehörige Kraftwerk mit verbesserter Turbinenleistung. Umweltminister Olaf Lies war extra zur feierlichen Wiederinbetriebnahme gekommen (Bild: © Harzwasserwerke).
Harzwasserwerke Wiederinbetriebnahme Kraftwerk Odertalsperre mit Minister Olaf Lies

„Die Odertalsperre garantiert mit einer neuen Dammkrone, einem neuen Grundablass und einer neuen Schussrinne den Hochwasserschutz für Bad Lauterberg und das südliche Harzvorland für weitere Jahrzehnte“, sagt der Technische Geschäftsführer der Harzwasserwerke, Dr. Christoph Donner. „Wir sind stolz, dass wir nicht nur die Anlage einmal rundherum erneuert haben, sondern jetzt in unserem neuen Kraftwerk mit einer neuen Turbine noch wirkungsvoller Strom aus Wasserkraft gewinnen können.“
Auch Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies freut sich über den Abschluss der Arbeiten. Diese seien gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels wichtig. „Das Klima ändert sich, dass zeigt nicht nur die jüngere Vergangenheit. Nach allen Erkenntnissen, die wir heute haben, müssen wir uns vermehrt auf Wetterextreme einstellen. Dazu gehören Hochwasserereignisse ebenso wie Dürreperioden“, sagt der Minister. „Talsperren wie die Odertalsperre gewährleisten dabei eine bestmögliche Wasserregulierung. Mit der Generalsanierung der Odertalsperre erhalten die Harzwasserwerke ein nach wie vor beispielhaftes System zur Bewältigung der Klimafolgen.“

Umfangreiche Sanierungsarbeiten

Nachdem in 2010 mit den ersten Vorarbeiten begonnen worden war, war zunächst die Entnahmeanlage der Talsperre erneuert worden, die in den Grundablass mündet. Sie führt das Wasser durch zwei große Rohre ins Kraftwerk, damit dort Strom erzeugt wird, und lässt Wasser kontrolliert aus der Talsperre ins Unterwasserbecken ab. Auch am Unterwasserbecken wurde 2011 gearbeitet: Das Wehr und die Dichtung des Unterwasserdammes wurden saniert und erneuert. So kann das Unterwasserbecken auch in den kommenden Jahrzehnten Wasser gleichmäßig an den Flusslauf der Oder abgeben. „Gerade die Industriebetriebe entlang der Oder und die Kläranlagen sind auf den Fluss für Kühlwasser und Prozesswasser angewiesen. Und natürlich braucht auch das Ökosystem im Fluss regelmäßig und gleichmäßig Wasser“, erklärt Dr. Donner. „2018 haben wir gesehen, dass diese Funktion sehr wichtig ist und in Zeiten des Klimawandels immer mehr an Bedeutung gewinnt.“
Im weiteren Verlauf der Generalsanierung war das Kraftwerk komplett überholt und eine neue, effizientere Turbine eingebaut worden. Durch sie verpufft die Kraft des Wassers an der Talsperre nicht, sondern kann in elektrische Energie umgewandelt werden. Die neue Turbine kann dies noch besser als die alte aus dem Jahr 1934 und erzeugt so 11 % mehr Strom aus erneuerbarer Energie. Insgesamt werden so an der Odertalsperre mit der neuen Turbine und einer weiteren Turbine am Unterwasserbecken rund 6,6 Mio. kWh Strom aus Wasserkraft pro Jahr erzeugt. Im Durchschnitt gewinnen die Harzwasserwerke pro Jahr mit 11 Wasserkraftwerken rund 35 Mio. kWh Energie aus Wasserkraft an ihren Talsperren und entlang des Leitungssystems.

Herausforderung Hochwasserschutz

Nach der Sanierung des Kraftwerks begannen die Arbeiten auf der Dammkrone des Hauptdammes. Durch diese Arbeiten wurde der Damm der Odertalsperre gegen Hochwasser abgesichert. Eine besondere Herausforderung stellte dabei die Hochwasserentlastungsanlage dar: Sie ist dafür da, bei extremen Hochwassern das Wasser ohne Schäden abzuführen und ein Überlaufen der Talsperre im Hochwasserfall und ein Überströmen des Dammes zu verhindern. Wie beim Überlauf bei einer Badewanne wird die Hochwasserentlastung automatisch aktiv, wenn sich zu viel Wasser in der Hauptsperre befindet. Ein Zustand, der durch die ausgeklügelten Betriebspläne der Talsperren und die geregelte Abgabe des Wassers durch den Grundablass das letzte Mal an der Odertalsperre vor 60 Jahren eingetreten ist.
Für den zwar unwahrscheinlichen, aber nicht unmöglichen Fall sorgt eine 230 m lange Schussrinne neben dem Damm dafür, dass das Wasser wie auf einer Skipiste mit einem Gefälle von 31 % in das Unterwasserbecken schießt und dort die Wasserkraft beim Aufprall gebrochen wird. Die jetzt gebaute Schussrinne beruht auf einem Modell der TU Dresden, die ausgerechnet haben, dass so bis zu 150 m3/s aus der Talsperre überlaufen könnten. Erschwert und verzögert wurden die Arbeiten an der Schussrinne durch Bewegungen im Berg, der auf die Schussrinne zu drücken begann. Daher musste die Schussrinne noch einmal etwas vom Berg abgerückt werden. 2018 wurde die Generalsanierung mit dem Bau der Sozialräume, Schönheitsarbeiten und Pflasterarbeiten beendet. Ursprünglich war die Odertalsperre 1934 nach mehrjähriger Bauzeit in Betrieb gegangen.

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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