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Spurenstoffe: BUND fordert „Green Pharmacy”

Kategorie:
Themen: |
Autor: Jonas Völker

Spurenstoffe: BUND fordert „Green Pharmacy”

„Die Bundesregierung und die Europäische Kommission dürfen die Situation nicht länger nur beobachten, sondern müssen dafür sorgen, dass alle gesellschaftlichen Bereiche dazu beitragen, die Umwelt von diesen gefährlichen Arzneimittelrückständen zu entlasten”, erklärt Antje von Broock, BUND-Geschäftsführerin Politik und Kommunikation. „Medikamente, die vor 2006 zugelassen wurden, müssen einer Umweltprüfung unterzogen werden und bei vorhandenen Risiken vom Markt genommen werden.”

Zunahme durch Demographie

Immer häufiger werden Arzneimittelrückstände in Gewässern und Böden nachgewiesen und führen dort schon in geringen Konzentrationen zu einer kontinuierlichen Belastung. Für mehrere Wirkstoffe werden die Umweltqualitätsnormen für Gewässer überschritten, das heißt eine Schädigung von Wasserorganismen ist nicht auszuschließen. Dabei nimmt – auch wegen der demographischen Entwicklung – der Konsum von Arzneimitteln zu: Im Jahr 2012 lag nach Angaben des Umweltbundesamtes der Verbrauch an Humanarzneimitteln bei circa 30.000 Tonnen mit 2300 Wirkstoffen. Mit einer Zunahme um 30 bis 70 Prozent in den nächsten 25 Jahren wird gerechnet.

Wirkstoffe müssen schnell zerfallen

„Wir müssen erkennen, dass Arzneimittel-Wirkstoffe gefährliche Stoffe für die Umwelt sind. Sie sind oft langlebig und giftig und gefährden damit die biologische Vielfalt in Wasser und Boden”, sagt Klaus Günter Steinhäuser, stellvertretender Sprecher des BUND-Arbeitskreises Umweltchemikalien und Toxikologie. „Wir müssen alles tun, um die Umwelt vor diesen Chemikalien und ihren Folgen zu schützen. Hierzu zählt auch eine verstärkte Forschung in Wirkstoffe, die in der Umwelt rasch zerfallen, aber bei der Bekämpfung von Krankheiten genauso wirksam sind. Das Stichwort lautet ‘Green Pharmacy’.”

Auch Tierarzneien

Auch Tieren werden Arzneimittel verabreicht. Ohne den intensiven Einsatz von Tierarzneimitteln wäre die verbreitete Massentierhaltung nicht denkbar. Besonders problematisch ist der umfangreiche Einsatz von Antibiotika: Obwohl die Anwendung in den vergangenen zehn Jahren zurückging, ist sie mit 670 Tonnen im Jahr 2019 immer noch etwa genauso hoch wie bei den Humanarzneimitteln.

Antibiotikaresistente Keime

Dabei kommen auch Reserve- und Breitband-Antibiotika zum Einsatz, dies stellt zunehmend eine Gefahr für die menschliche Gesundheit dar. Denn die Ausscheidungen der Tiere werden als Gülle über die Felder verteilt. Dabei gelangen nicht nur die Rückstände der schwer abbaubaren und für Umweltorganismen giftigen Wirkstoffe in die Umwelt, sondern wird diese auch zunehmend mit Antibiotika-resistenten Keimen belastet. Die Zunahme der resistenten Krankheitserreger erschwert immer mehr die Behandlung bakterieller Erkrankungen beim Menschen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO zählt die zunehmende Verbreitung der Antibiotikaresistenzen zu den drängendsten globalen Gesundheitsproblemen.

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