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gwf Wasser | Abwasser gwf Wasser/Abwasser 05/2026

Zwischen Chancen und Risiko: Die Wasserwirtschaft setzt zunehmend auf KI, Sensorik und digitale Zwillinge, um Netze dichter, Anlagen effizienter und Prognosen verlässlicher zu machen. Leckagen, Starkregen, Energie verbrauch und Schadstoffeinträge könnten früher erkannt und besser gesteuert werden. Doch der Preis für mehr Intelligenz im System ist neue Verwundbarkeit. Wer schützt kritische Infrastruktur vor Cyberangriffen? Wer haftet bei Fehlentscheidungen? Und wer versteht noch, wie automatisierte Modelle zu ihren Ergebnissen kommen?

Die Zukunft der Wasserwirtschaft wird nicht allein an der Technik entschieden – sondern daran, ob sie beherrschbar bleibt

Die Ausgabe erscheint am 22.05.2026

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Unsere Top-Themen

Interview mit Dr.-Ing. Dirk Waider, Vorstand von Gelsenwasser

Die Wasserversorgung steht längst mitten im digitalen Umbruch – doch je stärker Systeme, Daten und Prozesse vernetzt werden, desto größer werden auch die Angriffsflächen. Dr.-Ing. Dirk Waider, Vorstand von Gelsenwasser, spricht im Interview über Cyberbedrohungen, Datensouveränität, die Rolle von KI als Entscheidungshilfe und die Frage, wie sich Versorgungssicherheit in einer zunehmend fragilen Welt realistisch organisieren lässt.

Fokus-Themen:

Automatisierung und Digitalisierung

  • Prozess- und Fernwirktechnik, Fernauslesung
  • Messen / Steuern / Regeln
  • Kritische Infrastrukturen, Datensicherheit
  • Störfall-Management
  • KI in der Wasserwirtschaft

Wassergewinnung und -förderung

  • Brunnen: Planung, Bau, Betrieb, Instandhaltung
  • Pumpen

Gewässer- und Grundwassermonitoring

  • Online-Monitoring
  • Tracking von Wasserschadstoffen
  • Wasserstandsmessungen
  • Probenahme

Beiträge

  • Wenn Abschalten keine Option ist: Warum praxisnahe Trainings für OT-Sicherheit in der Wasserwirtschaft entscheidend werden
  • Digitalisierung der Wasserwirtschaft als Teil der Daseinsvorsorge
  • Digitale Transformation und Klimaresilienz als zentrale Zukunftssäulen
  • Digitale Bürgerservices in der Wasserwirtschaft
  • Netzmonitoring in Echtzeit: Live-Werte aus dem Trinkwassernetz
  • Drive-By: Ein pragmatischer Einstieg in die automatisierte Zählerfernauslesung
  • Integrierte Feldstationen zur digitalen Pegel überwachung erhöhen die Betriebssicherheit
  • Écho – eine vernetzte Messboje zur Gewässerüberwachung

 

u.v.m.

Fachberichte

 

Fachbericht (Peer-Review): Direktreduktion von Stahl mit elektrolytisch hergestelltem grünem Wasserstoff

Autor: Frank Rögener

Der Stahlsektor ist der zweitgrößte Industriesektor in Deutschland und weist die höchsten Treibhausgasemissionen auf, da er noch stark auf kohlenstoffbasierte Rohstoffe und den Verbrauch fossiler Brennstoffe angewiesen ist. Etwa 7 – 9 % der weltweiten CO2-Emissionen werden durch die Stahlindustrie verursacht. Pro Tonne produziertem Stahl werden derzeit ca. 1,9 t CO2 ausgestoßen. Dies entspricht einer Gesamtmenge von ca. 67 Mio. t CO2-Emissionen/Jahr, die allein durch die deutsche Stahlindustrie verursacht werden. Um die Klimaziele der Europäischen Union – Klimaneutralität bis 2050 – zu erreichen, ist eine Dekarbonisierung der Stahlindustrie unerlässlich. Eine vielversprechende Lösung ist die Verwendung von Wasserstoff als Reduktionsmittel im sogenannten Direktreduktionsverfahren. Dabei wird Eisenerz mit Wasserstoff zu festem Eisenschwamm reduziert, der anschließend in einem Lichtbogenofen zu Stahl verschmolzen wird. Wenn der Wasserstoff durch eine Wasser-Elektrolyse mit erneuerbaren Energien hergestellt wird, entstehen nahezu keine CO2-Emissionen. Man spricht dann von „grünem Stahl“ bzw. der Green Steel-Route. Haupthindernisse des erforderlichen Industriewandels sind unter anderem die ungeklärte Frage, wie der erforderliche Wasserstoff innerhalb Deutschlands transportiert werden soll (Kernnetz). Zudem sind bei einer teilweisen Eigenversorgung Deutschlands mit Wasserstoff Wasser- und Landkonflikte ungelöst. Der vorliegende Artikel beleuchtet die wasserwirtschaftliche Situation bei der Herstellung von Stahl mittels elektrolytisch hergestelltem grünem Wasserstoff sowie die möglichen Auswirkungen der Green Steel-Route auf die deutschen Wasserressourcen vor dem Hintergrund der deutschen Importstrategie für Wasserstoff. Diese sieht vor, dass 50-70 % des gesamten Bedarfs importiert werden müssen, aber derzeit sind weder konkrete Lieferanten vorhanden, noch existiert die erforderliche Infrastruktur des Verteilernetzes. Hier setzen die Überlegungen an: Was wäre, wenn die deutsche Stahlindustrie selbst den Wasserstoff aus deutschen Quellen erzeugen müsste.


Fachbericht: Das neue KRITIS-Dachgesetz

Autoren: Markus Heinrich, Cosmo Grühn

Das neue KRITIS-Dachgesetz soll die physische Widerstandsfähigkeit kritischer Infrastrukturen in Deutschland stärken und setzt die europäische CER-Richtlinie um. Es schafft erstmals einen sektorübergreifenden bundesweiten Rechtsrahmen, der Betreiber kritischer Anlagen – insbesondere in den Bereichen Energie, Wasser und Telekommunikation – zu mehr Vorsorge verpflichtet. Das KRITIS-Dachgesetz verpflichtet betroffene Netzbetreiber zu Registrierung, Risikoanalyse, Resilienzmaßnahmen, Dokumentation und Meldung von Störungen. Da viele Vorgaben bewusst allgemein bleiben, sind branchenspezifische Standards und die enge Zusammenarbeit mit Behörden entscheidend. Für Netzbetreiber bedeutet das vor allem, bestehende Sicherheitskonzepte frühzeitig zu überprüfen und an die neuen gesetzlichen
Anforderungen anzupassen. Besonders wichtig sind dabei praktikable Schutzmaßnahmen für sensible Anlagen sowie klare interne Abläufe für Krisen- und Meldefälle.


 

Fachbericht: SAFURITY & KRITIS-Dachgesetz

Autor: Wolfgang Czerni

Das SAFURITY & KRITIS-Dachgesetz markiert einen Paradigmenwechsel beim Schutz kritischer Infrastrukturen. Über IT- Sicherheit hinaus rücken Resilienz, Prävention, Kontinuitätsmanagement sowie Zivil- und Katastrophenschutz in den Fokus. Wolfgang Czerni zeigt, wie der All-Hazard-Ansatz der EU-Richtlinie 2022/2557 in nationale Anforderungen übersetzt wird und welche Folgen dies für Kommunen und KRITIS Betreiber hat. Im Mittelpunkt stehen Risikoanalysen, Business Impact Analysen, Notfall- und Krisenmanagement sowie die praktische Umsetzung nach ISO 22301. Der Beitrag bietet einen fundierten Überblick über Strategien, Strukturen und Nachweise, mit denen Organisationen ihre Widerstandsfähigkeit systematisch stärken können.


Fachbericht: Leistungsbewertung des Krisenmanagements anhand einer hybriden Bedrohung

Autorin: Simone Bendig

Für Unternehmen der kritischen Infrastruktur ist ein belastbares Krisenmanagement unverzichtbar, um auch unter außerge wöhnlichen Bedingungen handlungsfähig zu bleiben. Am Beispiel des OOWV, eines der größten Wasserversorgungs- und Abwasserunternehmen Deutschlands, wird deutlich, dass Versorgungssicherheit nur durch klare Strukturen, technische Vorsorge und regelmäßige Übungen gewährleistet werden kann. Grundlage ist ein seit 2014 aufgebautes und fortlaufend weiterentwickeltes Notfall- und Krisenmanagement mit definiertem Krisenstab, redundanten Alarmierungswegen und ausfallsicheren Kommunikationslösungen. Im Mittelpunkt steht eine zweitägige Rahmenübung aus dem Juni 2025, in der eine hybride Bedrohung simuliert wurde: Hitzewelle, hohe Wasserabgaben, geopolitische Spannungen, Cyberwarnungen, verdächtige Netzaktivitäten und ein Erpresserschreiben. Die Auswertung machte Stärken und Verbesserungsbedarf bei Rollen, Schulungen und Organisation sichtbar. Krisenmanagement bleibt damit ein fortlaufender Lern- und Anpassungsprozess.