gwf Wasser | Abwasser gwf Wasser/Abwasser 03/2026

Wasser ist zentral für die industrielle Wertschöpfung. Es ist Produktionsmedium, Qualitätsgarant und strategische Ressource zugleich. Ob hochreine Kreislaufsysteme in der Halbleiterfertigung, effiziente Klärschlammeindickung oder digitale Multi-Utility-Leitwarten – moderne (Prozess-)Wasserwirtschaft in der Industrie verbindet Verfahrenstechnik, Automatisierung immer öfter mit zirkulärer Denke. Intelligente Technik und KI-basierte Datenverarbeitung wachsen zusammen – für Anlagen, die effizient arbeiten und auch unter veränderten Bedingungen zuverlässig bleiben. Paralleldazu entwickelt sich die Wasseranalytik rasant weiter: Neue Messsysteme ermöglichen eine nahezu unmittelbare Bewertung mikrobiologischer Gewässerqualität. Ökonomie und Ökologie stehen nicht mehr im Gegensatz zueinander, sondern werden jetzt umfassend als ein großes Kreislaufsystem gedacht.
Die Ausgabe erscheint am 20.03.2026
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Unsere Top-Themen

Klimawandel, neue EU-Richtlinien, rasant steigende Anforderungen an Ressourceneffizienz und Resilienz: Die Wasserwirtschaft steht vor einem Paradigmenwechsel. Im Interview mit gwf Wasser/Abwasser fordert Prof. Dr.-Ing. Jörg E. Drewes von der TU München deshalb: Neben regelwerksgetriebener Denke brauche es jetzt ein völlig neues systemisches Denken, mehr Mut zur Innovation – und eine stärkere Beteiligung der Öffentlichkeit an der Diskussion, wie wir dem Klimawandel wasserwirtschaftlich begegnen.
Industrieabwasser / Prozesswasser
- Industrieabwasser: Aufbereitung, Behandlung
- Prozesswasser: Aufbereitung, Behandlung, Re-Use
- Energie- und Wertstoffrückgewinnung aus Prozesswasser
- Pumpen
- Filtration, Membranverfahren, Desinfektion
- Abwasserarme und abwasserfreie Produktion
- Behandlung und Entsorgung von Konzentraten
- Digitalisierung
Wasseranalytik
- Detektion: Spurenstoffen, antibiotikaresistente Keime, PFAS
- Effektbasierte (bioanalytische) Methoden
- Molekularbiologische Methoden
- Wasseranalytik in der Prozessindustrie
Fachberichte
Fachbericht: Mikroplastik im Süßwasser – Peer-Review
Autoren: Maren Engelhardt, Eberhard Schmidt
Mikroplastik kann nicht nur in Ozeanen, sondern auch in Süßwasserökosystemen nachgewiesen werden. Damit die Belastung und mögliche Eintragspfade identifiziert und untersucht werden können, müssen Nachweis- und Analysestrategien für limnische Ökosysteme erprobt und geprüft werden. Hierfür wurde das Degradationsverhalten von Mikroplastik in Süßwasser untersucht und die Adsorption von Mikroplastik an Süßwasserpflanzen nachgewiesen. Darauffolgend konnten Nachweis- und Analysestrategien für Süßwasserpflanzenproben, Gewässerproben, Sediment- und Sedimentgesteinsproben entwickelt werden. Es wurden Feldmesskampagnen in vier unterschiedlichen Fließgewässern in Nordrhein-Westfalen (NRW) (Wupper, Rhein-Herne-Kanal, Ruhr und Emscher) durchgeführt. Hierbei wurden die Verfahren zur Probennahme und Analyse für Süßwasserpflanzen und Gewässerproben angewandt. In allen untersuchten Gewässer- und Pflanzenproben konnte potenzielles Mikroplastik gefunden werden. Dies verdeutlicht den Bedarf an einer einheitlichen Nachweis- und Analysestrategie für die längerfristige Überwachung von Mikroplastikvorkommen in limnischen Ökosystemen.
Fachbericht: Vom Abwasser zur Ressource
Autoren: Caroline Albers, Pascal Osten, Karin Raths
Die Halbleiterindustrie ist stark wasserintensiv, besonders bei der Herstellung von Reinstwasser für Waferprozesse. Angesichts steigenden Bedarfs und regulatorischen Drucks wird Wasserrecycling zum Wettbewerbsfaktor. Durch getrennte Behandlung von Fluorid-, Partikel- und Prozessabwässern sowie End-of-Pipe- und Point-of-Use-Konzepte lassen sich bis zu 90 % Frischwasser einsparen. So wird Abwasser zur Ressource und die Chipfertigung nachhaltiger und resilienter.
Fachbericht: Spurenstoffe im Wasser und Abwasser
Autoren: Mira Jessenberger, Freya Banke-Wallis, Beate Kummer
Die Belastung von Gewässern mit Mikroplastik, Mikroschadstoffen und organischen Spurenstoffen stellt eine zentrale Herausforderung für Umwelt- und Gesundheitsschutz dar. Fortschritte der Analytik ermöglichen den Nachweis zahlreicher anthropogener Stoffe in sehr geringen Konzentrationen, die jedoch nachweislich ökologische und potenziell gesundheitliche Risiken bergen. Die Arbeit untersucht systematisch Stoffgruppen, Herkunft, Eintragspfade und Risiken und betont die problematische Uneinheitlichkeit von Definitionen. Regulatorisch befindet sich die europäische und nationale Gesetzgebung in dynamischer Entwicklung, weist jedoch Umsetzungsdefizite und fehlende einheitliche Bewertungsmaßstäbe auf. Kommunale Kläranlagen nehmen eine Schlüsselrolle ein: Während Mikroplastik teilweise zurückgehalten wird, sind persistente Stoffe schwer entfernbar. Eine vierte Reinigungsstufe ist notwendig, aber nicht ausreichend. Nachhaltiger Gewässerschutz erfordert quellenbezogene Maßnahmen, technologische Innovationen und eine wissenschaftlich fundierte, faire Verantwortungsverteilung.
Fachbericht: Mit Automatisierung und digitalen Assistenzsystemen dem Fachkräftemangel in der Wasserwirtschaft begegnen
Autoren: Claudia Müller, Robert Lutze, Sebastian Spielhof
Die Wasser- und Abwasserwirtschaft steht angesichts steigender Qualitätsanforderungen und des demografisch bedingten Fachkräftemangels vor großen Herausforderungen. Besonders betroffen sind Fachkräfte mit Berufsausbildung. Digitale Assistenzsysteme ermöglichen es, Anlernzeiten zu verkürzen, Fehler zu reduzieren und Wissen zu sichern. Am Praxisbeispiel wird gezeigt, wie Digitalisierung Effizienz, Qualität und Betriebssicherheit nachhaltig steigert. Gleichzeitig eröffnen automatisierte Prozesse neue Einsatzmöglichkeiten für geringer qualifiziertes Personal und entlasten erfahrene Fachkräfte, sodass Ressourcen gezielter für Optimierung und Innovation genutzt werden können.
